Viktor Weber Pfarrer in Berlin

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Rogate

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Dorfkirche Alt-Staaken · 5. Mai 2024 · Pfarrer Viktor Weber

Beten. Was bringt schon beten. „Beten ist nichts als ein Selbstgespräch.“ Gott ist zudem nicht der alte Mann mit Bart, der nichts anderes zu tun hat, als dass die Menschen zu ihm sprechen.

Wow, das ist harte Kritik am Gebet. Höre ich immer wieder, v.A. aus atheistischer Sicht. Wollen wir heute mal sehen, was da dran ist.

Darf ich wissen, wer von euch täglich betet? Wer einmal die Woche? Wer immer wieder mal? Wer betet, wenn er im Flugzeug sitzt und es starke Turbulenzen gibt? Beten bringt doch nichts. Doch im abstürzenden Flugzeug werden sie alle gläubig, sagen Kritiker.

Meine wichtigste Botschaft heute an Euch: Beten führt unweigerlich dazu, dass etwas Tempo aus Deinem Leben herauskommt und dass Du bewusster lebst. Du klagst, Du bittesst, Du dankst. Dein Leben bekommt einen Rhythmus, Dein Leben bekommt Struktur.

Gott, der alte Mann mit Bart – das glaubt kaum jemand und doch ist es schwer, von dieser Vorstellung komplett wegzukommen. Mose scheint so eine Beziehung zu Gott gehabt zu haben. Für ihn ist Gott nicht irgendwo im Himmel, aber er ist auf dem Berg zu finden und dort ansprechbar. Das Besondere: Gott antwortet ihm in menschlicher Sprache. Gut, wenn Gott zu uns in menschlicher Sprache redete, gäbe es gar keinen Zweifel mehr. Alle würden beten und Antworten erhalten. Mose ist eine echte Type. Er redet mit Gott. Er verhandelt mit Gott. Er bringt Gott dazu, seinen Entschluss zu bereuen und das Volk zu verschonen. Wow. Claus Weselsky sieht im Vergleich dazu aus wie ein kleiner Schuljunge. Diese Vorstellung, dass der allwissende und allmächtige Gott, der ohnehin schon weiß, wie der Lauf der Dinge sein wird, etwas bereut ist unglaublich. Und kein Einzelfall. Das Muster ist ganz ähnlich: Gott ist total genervt von den Menschen und möchte immer einmal auf Reset drücken: erst bei der Sintflut, jetzt hier beim Volk Israel und an vielen weiteren Stellen in der Bibel. Das ist keine Frage von falscher Übersetzung oder so, nein, überall steht das gleiche hebräische Verb, nämlich naham.

Von Mose lernen heißt mit Gott verhandeln lernen. Heißt, damit rechnen, dass Gott seine Meinung ändert. Heißt, Gott beim Wort nehmen. Heißt zu beten: „Gott, an dir liegt es, ob mein Glaube bestehen kann. Du versprichst, Gebete zu erhören. Dann tue es auch. Die Ungläubigen werden sonst uns und dich verspotten.“ Dranbleiben. Wirklich wollen, worum man bittet. Sich mit Haut und Haar darauf einstellen. Die Chancen, dass es dann klappt, sind gewaltig.

Aber seien wir gewiss, die Stimme von oben werden wir nicht hören und wenn doch, ist dringend ein Besuch beim Psychologen angeraten.

Ob und wie unsere Gebete erhört werden, ist eine Frage der Deutung und eine Frage der Aufmerksamkeit!

Kennt ihr das Prinzip des Kaugummiautomaten? Oben Münze rein, unten Kaugummi raus. Gebet rein, Erhörung raus. Gott funktioniert nicht nach diesem Prinzip. Ob und wie er Gebete erhört, ist seine Sache. Dass er sie hört, ist für mich dabei keine Frage. Es geht mir mehr darum, ob und wie er sie erhört.

Story Freikirche

Ich war letztens in einem Gottesdienst, da hat der Pastor 50 min lang über das Gebet gesprochen. Es war viel gutes dabei. Und eine Menge Unsinn (Elia)

Märchen in der Bibel

Krankenheilungen

Aufmerksamkeit, Liebe, Last wird leichter, jemand denkt an mich

Jakobus 5,13ff. Leidet jemand unter euch, der bete; ist jemand guten Mutes, der singe Psalmen. Ist jemand unter euch krank, der rufe zu sich die Ältesten der Gemeinde, dass sie über ihm beten und ihn salben mit Öl in dem Namen des Herrn. Und das Gebet des Glaubens wird dem Kranken helfen, und der Herr wird ihn aufrichten; und wenn er Sünden getan hat, wird ihm vergeben werden.

Bekennt also einander eure Sünden und betet füreinander, dass ihr gesund werdet. Des Gerechten Gebet vermag viel, wenn es ernstlich ist. Elia war ein schwacher Mensch wie wir; und er betete ein Gebet, dass es nicht regnen sollte, und es regnete nicht auf Erden drei Jahre und sechs Monate. Und er betete abermals, und der Himmel gab den Regen, und die Erde brachte ihre Frucht.

Mose begegnet uns als ein Mensch, dessen Glaube von übernatürlichen Ereignissen und direkter Gottesrede abhängt, oder zumindest damit zusammenhängt. Wenn diese ausbleiben, kommt der Glaube in eine Schieflage. Ich möchte euch eine Frage zum Nachdenken mitgeben: hängt euer Glaube davon ab, unerklärliche Dinge zu erleben oder könnt ihr euch damit zufrieden geben, Gott seinen Weg gehen zu lassen? Das hieße ja, darauf vertrauen, dass alles, was mir widerfährt, einen Sinn hat, selbst wenn ich ihn gerade nicht erkenne. Noch einmal die Frage zum Nachdenken: „hängt euer Glaube davon ab, unerklärliche Dinge zu erleben oder könnt ihr euch damit zufrieden geben, Gott seinen Weg gehen zu lassen?“

Lasst uns einen Blick von Mose zu Jesus werfen und schauen, was er zu dem Thema sagt, ist für uns Christen sicher nicht falsch.

Jesus sagt im Evangelium: Ihr sollt Gott so lange nerven, bis er euer Gebet erhört. Auch Nachts um 12. Bittet, wo wird euch gegeben.

Vaterunser

  • Noch nicht mal Dank
  • Dein Wille geschehe Luther

(auch Luther: bete so, als ob alles arbeiten nichts hilft und arbeite so, als ob alles beten nichts hilft)

Hohepriesterliche Gebet

Ölberg Lk 22,42: Doch nicht mein Wille, sondern dein Wille geschehe… Todesangst kam in ihm auf und er betete noch angespannter. Dabei tropfte sein Schweiß wie Blut auf den Boden.

Von Jesus beten lernen aka Dietrich Bonhoeffer:

Das rechte Gebet ist nicht ein Werk, eine Übung, eine fromme Haltung, sondern es ist die Bitte des Kindes zum Herzen des Vaters. Darum ist das Gebet niemals demonstrativ, weder vor Gott, noch vor uns selbst, noch vor anderen. Das Gebet kann niemals eine Beschwörung Gottes sein, wir brauchen uns vor ihm nicht mehr darzustellen. Wir dürfen wissen, dass er weiß, was wir bedürfen, ehe wir darum bitten.

Die ersten Augenblicke des neuen Tages

gehören nicht eigenen Plänen und Sorgen,

auch nicht der Übereifer der Arbeit,

sondern Gottes befreiende Gnade,

Gottes segnende Nähe.

Ich will euch mal was Verrücktes erzählen. Augsburg ist eine Stadt in Bayern. Augsburg ist für uns Protestanten eine historisch wichtige Stadt, denn in Augsburg trugen 1530 die evangelische Stände ihr Bekenntnis vor, das sogenannte Augsburger Bekenntnis, in dem sie Kaiser Karl V. versicherten, dass sie auf rechtgläubigem Boden standen und lediglich die Missstände der katholischen Kirche reformieren wollten. Gut, das ist schon verrückt an sich, aber es geht mir um was anderes. In Augsburg gibt es ein sogenanntes Gebetshaus.

  1. Thessalonicher 5,17: Betet ohne Unterlass

Wenn wir von Jesus beten lernen, kommt noch eine weitere Ebene dazu. Jesus empfiehlt überhaupt, sich zum Beten zurückzuziehen: „Du aber, wenn du betest, geh in deine Kammer, schließ die Tür zu; dann bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist!“ Mt. 6,6. Ablenkung und Zerstreuung erschweren es zu beten.

Von Jesus beten lernen heißt, sich in den Willen Gottes einzustimmen. Frieden zu finden mit dem, was kommt und dennoch aktiv bleiben und sein Schicksal nach Möglichkeit selbst beeinflussen. Gott förmlich zu nerven mit deinem Anliegen. Das geht nicht in 20 Sekunden. Dazu hilft dir Konzentration. Sich bewusst zurückziehen und mit deinen eigenen Anliegen auseinandersetzen.

Gebetszeit ist letzten Endes Zeit für Dich selbst. Quality Time mit dir.Du durchkreutzt den Stress und die Ablenkung, die Dich antreibt und gefangen nimmt.

Wenn es nötig ist, kannst Du zum Beten auch Worte benutzen. Was meine ich damit? Wenn Gebet so etwas ist wie ein Gespräch mit Gott, dann gehört dazu auch Schweigen und Zuhören. So wie einem Gespräch. Außer, es ist ein Monolog, aber dann ist es kein Gespräch.

Ob und wie unsere Gebete erhört werden, ist eine Frage der Deutung und eine Frage der Aufmerksamkeit!

Johann Hinrich Claussen beschreibt das so: „Denn das Glück des Betens besteht weniger darin, dass Bitten erhört werden, als eher darin, dass sie überhaupt gehört werden, dass also Seele und Gott in Kontakt treten und sich gegenseitig verstehen. Manchmal verändert sich dann der Blick eines Menschen auf sich selbst, seine Mitmenschen und seine Welt von Grund auf.“ Mit persönlichen Anliegen gesehen und gehört zu werden, darin liegt eine tiefe menschliche Sehnsucht.

Beten führt unweigerlich dazu, dass etwas Tempo aus Deinem Leben herauskommt und dass Du bewusster lebst. Du klagst, Du bittesst, Du dankst. Dein Leben bekommt einen Rhythmus, Dein Leben bekommt Struktur.

Ihr Lieben,

jetzt sind wir Kinder Gottes.

Aber was wir einmal sein werden,

ist noch gar nicht sichtbar.

Wir wissen jedoch:

Wenn es sichtbar wird,

werden wir Gott ähnlich sein.

Denn dann werden wir ihn sehen,

wie er wirklich ist.

Dorothee Sölle: „Ein gebet nach dem ersten Johannesbrief 3 vers 2“ (Auszug)

Und ist noch nicht erschienen was wir sein werden o gott die du uns besser kennst als wir uns selber kennen wann müssen wir unser gesicht nicht mehr verstecken vor den verhungernden wann werden wir sichtbar wann wird die wahrheit durch uns hindurchleuchten wann wird man an unseren handelsbeziehungen sehen hier wohnen die neuen menschen die schwesterlichen wann wird die sonne der gerechtigkeit über uns aufgehen und die ausplünderungsnacht zu ende gehen wann werden wir sichtbar gott söhne und töchter in deinem reich 

Und ist noch nicht erschienen was wir sein werden o gott der du alles geschaffen hast wann wird es so weit sein dass wir es sehr gut nennen wie du wann werden wir sichtbar wann wird die wahrheit scheinen wann wird man an unsern gärten und feldern sehen hier wohnen die sanften kinder der erde die das vergewaltigen nicht gelernt haben und das plündern verlernten hier wohnen kleine menschen die die türme nicht in den himmel bauen und die tiere nicht zu tode testen 

Gott freundin der menschen freund der erde komm bald maranatha beeil dich mach uns sichtbar töchter und söhne in deinem reich

Dorothee Sölle: Poesie als Gebet. Eine Biografie in Gedichten, Hrsg: Barbara Zillmann. Wichern © Wolfgang Fietkau Verlag, Seite 74

Es gilt das gesprochene Wort.


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