Viktor Weber Pfarrer in Berlin

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3. Advent

3. Advent

Zuversichtskirche Heerstraße Nord · 15. Dezember 2024 · Pfarrer Viktor Weber

Kirche Heerstraße Nord

  1. Advent | 15. Dezember 24

mit Abendmahl

Predigttext aus Römer 15,4-13

[Der Apostel Paulus schreibt:] Er [Gott] gebe auch, dass ihr euch untereinander einig seid – so wie es Christus Jesus angemessen ist. Dann könnt ihr alle miteinander Gott, den Vater unseres Herrn Jesus Christus, wie aus einem Munde loben. Daher bitte ich euch: Nehmt einander an, so wie Christus euch angenommen hat, damit die Herrlichkeit Gottes noch größer wird.

Denn ich sage: Weil Gottes Zusage wahrhaftig gilt, trat Christus in den Dienst der Beschneidung. So wollte Gott das einlösen, was er den Stammvätern versprochen hat. Aber auch die Völker haben allen Grund, Gott für sein Erbarmen zu loben. Denn in der Heiligen Schrift steht: »Darum will ich dir danken unter den Völkern. Deinen Namen will ich preisen mit einem Lied.« An einer anderen Stelle [..] sagt Jesaja: »Aus der Wurzel Isais wird ein neuer Spross hervorgehen. Er wird sich erheben, um über die Völker zu herrschen. Und auf ihn werden sie ihre Hoffnung setzen.«

Der Gott, der Hoffnung schenkt, erfülle auch euch in eurem Glauben mit lauter Freude und Frieden. So soll eure Hoffnung über alles Maß hinaus wachsen durch die Kraft des Heiligen Geistes.

Predigt

Liebe Schwestern, und Brüder, nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat.

Wie weit Menschen gehen können

Endlich hat sich die Hoffnung erfüllt. Der Diktator Assad ist vertrieben. Tausende strömen zum Saidnaja-Gefängnis. Es ist als Folterkammer der Nation bekannt. Manche sagten auch Schlachthaus dazu. Was muss passieren, dass jemand soweit kommt, dass er Menschen foltert? Verschiedene psychologische Versuche haben gezeigt, dass man nicht von heute auf morgen zu einem gnadenlosen Folterknecht wird, sondern dass man sich dazu entwickelt – zu einem Monster. Man wird nicht als Monster geboren. Man entwickelt sich zum Monster. Gib einem Menschen eine Rechtfertigung – und schon ist er an einem menschlichen Tiefpunkt angelangt.

Liebe Schwestern und Brüder, nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat.

Wen Christus annimmt

Die Hoffnung stribt zuletzt. Gott sieht die Hoffnung der kleinen und der großen Leute. Das sind nämlich die Menschen, die Christus vorwiegend annimmt. Paulus schreibt an einer anderen Stelle:

Seht doch, Brüder und Schwestern, auf eure Berufung. Nicht viele Weise nach dem Fleisch, nicht viele Mächtige, nicht viele Vornehme sind berufen. (1. Kor. 1,26). Oder wie von Jesus selbst überliefert ist: „Die Starken bedürfen keines Arztes, sondern die Kranken. Ich bin gekommen, zu rufen die Sünder zur Buße, und nicht die Gerechten.“

Jesus irgnorerte beinahe die Vorbildlichen und Erfolgreichen. Mühte sich mit denen ab, die in Schwierigkeiten sind und Schwierigkeiten machen. Er sieht im Menschen zuerst ein Kind Gottes. Er sieht den Menschen in die Augen, er durchdringt sie mit seinem Blick bis zu deren Seele und sieht dort einen Funken Gottes. Er sieht im menschlichen Antlitz ein Abbild von Gottes Antlitz. Viele sehen im gegenüber eine Person, die nervt, einen Menschen, der unzuverlässig ist, den Gemeinen, die Bösartige.

Liebe Schwestern und Brüder, nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat.

Im Gespräch mit JesusGPT

Jesus, sollen wir auch die Ausländer annehmen? Auch die queeren Leute? Die Veganer auch? Was ist mit den Ungebildeten? Und die Arroganten? Was ist mit denen, die uns beleidigen? Was ist mit den Respektlosen? Was ist mit denen, die die AfD wählen oder gar bei der AfD sind? Liebe Gemeinde, bei so vielen schweren Fragen habe ich mir erlaubt, Jesus direkt zu fragen. Den KI-Jesus, Jesus-GPT. Die Antwort war erstaunlich: „Du fragst, ob ihr diejenigen annehmen sollt, die anders sind. Ich habe die Zöllner, die Sünder und die Ausgestoßenen angenommen, die Respektlosen nicht verstoßen, sondern ihnen einen neuen Weg gezeigt. Es ist nicht deine Aufgabe, Menschen zu richten – das überlasse mir. Deine Aufgabe ist, zu lieben. Lieben heißt, die Tür offen zu halten – auch für die, die dir fremd erscheinen oder sich falsch verhalten. Jeder Mensch ist Kind Gottes. Fang nicht damit an zu verurteilen, sondern damit, selbst zu leuchten. Sei der und die Erste, um Brücken zu bauen.

„Liebt eure Feinde, tut wohl denen, die euch hassen.“ (Mt 5,44) Fällt das schwer? Ja. Aber wer nur die liebt, die so sind wie er selbst – was für einen Lohn hat er? Selbst wenn du die Menschen nicht erreichst: Deine Liebe wird ein Zeugnis sein. Denn daran werden sie dich erkennen: „Dass ihr einander liebt, wie ich euch geliebt habe.“

Liebe Schwestern und Brüder, nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat.

Walking Dead

Menschliche Liebe hat Grenzen. Wenn die Liebe mit Füßen getreten wird, kann es nicht mehr weitergehen. Soll man Leute wie Putin und Assad lieben? In der Serie „Walking Dead“ geht es um’s nackte Überleben. Es ist eine Pandemie ausgebrochen. Überall laufen Untote rum und versuchen, die wenigen verbliebenden lebenden Menschen zu beißen und zu fressen. Verzweifelt versuchen alle zu überleben. Die Hoffnung gibt ihnen Kraft. Die überlebenden Menschen werden bei ihren Versuchen zu überleben selbst immer mehr zu Monstern. Immer häufiger müssen sie wegen knapper Ressourcen andere Menschen töten. Immer seltener können sie jemandem vertrauen. Sie sehen in jedem Fremden eine Gefahr. Manchmal töten sie die anderen, ohne überhaupt mit ihnen gesprochen zu haben. Und jeder Totschlag versetzt der eigenen Seele eine unheilbare Wunde. Die Liebe nimmt jeden Tag ein wenig ab.

Liebe Schwestern und Brüder, nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat.

Anerkennung und Liebe

Mir gefällt die Serie. Sie zeigt sehr gut, wozu wir Menschen fähig sind. Was wir einander antun. Weil wir um knappe Ressourcen kämpfen. Lebensraum, Energie, Ernährung, Wohlstand, Anerkennung. Dabei ist das letztere überhaupt nicht knapp. Niemand muss mit Anerkennung geizen. Anerkennung ist eine Währung der Liebe, die keine Kursschwankungen kennt. Eine Inflation an Anerkennung kann uns nur willkommen sein. Denn am Ende bleibt die Einsicht: jeder Mensch braucht Liebe. Jeder Mensch versucht auf seine eigene Weise, den Hunger nach Liebe zu stillen und auf seine ihm mögliche Weise, Liebe zu zeigen.. Manchen gelingt es besser, anderen schlechter. Dort, wo jemand zu wenig Liebe bekommt, entstehen Wunden, bis die Seele so vernarbt ist, dass sie Liebe weder geben noch empfangen kann.

Am Ende sind die Menschen Seelen, die nach Liebe dürsten. Wo es uns gelingt, im Mitmenschen das Gesicht Gottes zu erkennen, werden wir ihm Liebe entgegenbringen können. Auch denen, die wir nicht mögen. Noch ist Hoffnung für die Welt.

Annehmen, weil man selbst angenommen ist

Ich weiß, es gibt immer Extremfälle, wo das Gebot der Liebe anfängt absurd zu wirken. Aber lasst uns nicht gleich an Ungeheuer und Unmenschen denken. Wir wollen hier bei uns beginnen, einander so anzunehmen, wie Christus uns angenommen hat. Nämlich als geliebte Kinder Gottes. Wir selbst sind angenommen. Deshalb können wir andere annehmen. Auch wenn es zuweilen unerklärlich schwer fällt.

Der Gott, der Hoffnung schenkt, erfülle auch euch in eurem Glauben mit lauter Freude und Frieden. So soll eure Hoffnung über alles Maß hinaus wachsen durch die Kraft des Heiligen Geistes.

Es gilt das gesprochene Wort.


Fragen oder Gedanken dazu? Schreib mir an info@viktor-weber.com.