Viktor Weber Pfarrer in Berlin

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Heiligabend 18 Christvesper

Heiligabend 18 Christvesper

Staaken · 24. Dezember 2024 · Pfarrer Viktor Weber

Liebe Gemeinde,

erlaubt mir, für einen Moment das Licht auszumachen. Lasst uns einige Augenblicke die Stille und die übrigen Lichter genießen [Licht aus].

Je größer die Finsternis, desto heller sieht man das Licht. Seien wir ganz ehrlich: Die Finsternis ist groß. Es steht schlecht um die Welt. Der Amoklauf in Magdeburg. Raketen über der Ukraine. Bomben in Gaza. Es marschieren die Stiefel mit Gedröhn. Es werden die Mäntel durch Blut geschleift. Hass und Zwietracht in der Politik diesseits und jenseits des großen Teiches. Rache, Vergeltung, Stolz, Vorurteil. Es war noch nie anders. Wahrscheinlich wird es immer so bleiben, so lange es den Menschen gibt. Das ist traurig. Das ist schade. Das ist hart.

Seien wir ganz ehrlich: Mindestens so schlecht wie es um die Welt steht, steht es gut um die Welt. Immer wieder werden Konflikte beendet. Immer wieder wird ein Diktator gestürzt. Immer wieder reichen sich Feinde die Hände. Immer wieder werden Abrüstungsabkommen geschlossen. Schwerter zu Pflugscharen. Menschen lechzen nach Frieden und Versöhnung. Liebe breitet sich aus. Es war noch nie anders. Wahrscheinlich wird es immer so bleiben, so lange es den Menschen gibt.

Liebe Gemeinde, was bleibt, ist der Wechsel. Die Bewegung. Die Veränderung. Der Fluss der Dinge. Vom Licht ins Dunkel, vom Dunkel ins Licht. Seit Samstag werden die Tage wieder länger. Es ist endlich die Zeit angekommen. Die Zeit, uns vom Fluss der Dinge nicht nur treiben zu lassen, sondern aktiv zu schwimmen, uns aufzumachen, aufzustehen und Licht in die Welt zu tragen. Zu unseren Freunden. Und zu unseren Feinden, die häufig nur vermeintliche Feinde sind. Auch auf der anderen Seite, bei den Anderen sind Menschen, die Frieden wollen.

Wie groß ist die Freude über den Sturz von Assad. Wie groß war die Freude über den Sturz anderer Diktatoren. Doch Vorsicht: Frieden entsteht nicht, weil einer stürzt, den sie für den Bösewicht halten. Man weiß nicht, wer ihm folgt. Frieden entsteht, wo Menschen bereit sind, einander zu vergeben, statt zu vergelten. Einander als Brüder und Schwestern anzusehen statt als jemanden, der einem was wegnehmen will. Einander als Kinder Gottes begegnen, als Menschen, die Liebe empfangen und verschenken wollen.

Liebe Gemeinde, wenn Menschen darauf hoffen, dass ein einzelner Messias die Welt retten wird, führt das i.d.R. dazu, dass dieser Mensch wird scheitern müssen. Doch ich habe Hoffnung, dass viele kleine Leute an vielen kleinen Orten die Dunkelheit vertreiben und scheinen wie ein helles Licht, weil sie gemeinsam leuchten. Entzündet am Licht Gottes, das die Heiligkeit des Lebens garantiert. Scheinen wie ein helles Licht – oder besser: scheinen wie viele helle Lichter.

[ggf. Licht ausmachen und Handylichter scheinen lassen]

Um Frieden zu schaffen, braucht es immer einen ersten Schritt. Seinen Stolz überwinden. Seine Verletzungen ernst nehmen, sie aber als Teil der persönlichen Entwicklung annehmen statt als Trennungsgrund vom Mitmenschen. Den Hass überwinden und Vorurteile durch persönlichen Austausch abbauen.

Jeder echte Frieden, der kein fauler Frieden ist, durch Aggressoren diktiert, jeder echte Frieden ist ein Wunder. Lasst uns das so explizit definieren. Damit ein Krieg endet und Versöhnungsarbeit beginnt, braucht es immer wieder Wunder. Hier von einem Wunder zu reden bedeutet, sich bewusst machen, dass Frieden Gnade ist. Wenn Menschen solche Gnade erleben, werden sie sein wie die Träumenden. Sie werden ausgelassen feiern.

Uns ist heute ein Kind gegeben. Das Christkind, Jesus steht im Fokus. Im Text des Propheten Jesaja ist auch von einem Kind die Rede. Es bekommt ganz wunderbare Namen: Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst; auf dass seine Herrschaft groß werde und des Friedens kein Ende auf dem Thron Davids und in seinem Königreich, dass er’s stärke und stütze durch Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit.

Wenn jemand in Amt und Würden kommt, wählt er manchmal einen anderen Namen. Ich denke an die Päpste, die ihren bürgerlichen Namen ablegen und sich nach einem Heiligen benennen, der für sie ein besonders Vorbild ist. Die Namen Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst, die einigermaßen schlecht zugängig sind für unsere Ohren bezeugen, dass der Retter der Welt geradezu göttliche Eigenschaften mit sich bringen muss. Kein Wunder, denn echter Frieden ist göttlich. Diese Namen beschreiben Eigenschaften, die göttlich genannt werden können: Weisheit, Stärke, Beständigkeit und Frieden.

Jesus hat den Anfang gemacht in Tat und Wort, mit Spitzensätzen wie: „Liebet eure Feinde und segnet, die euch fluchen“, folgend der Überzeugung, dass Liebe stärker ist als Hass, dass Licht stärker ist als Dunkelheit. Jedes Kind, das in die Welt kommt, kann die Welt zu einem Paradies machen. Aber nicht allein. Nur zusammen mit den vielen anderen Kindern, die auf die Welt kommen. Hand in Hand, Licht an Licht, wo wird es hell.

Liebe Gemeinde, ich fände es ein Zeichen für Staaken, Berlin und für die Welt, wenn wir nicht auf Wunder warten, sondern selbst loslegen. Wenn ein kleines Kind Hoffnung bringen kann, wie viel mehr ihr, die ihr auf eine jahrelange Biographie zurückblicken könnt, die ihr in eurem Leben schon etwas erreicht habt und noch manches vorhabt. Mit Erich Kästner sage ich: es gibt nichts Gutes, außer man tut es. Jeder, der sich ehrenamtlich engagiert, jede, die sich die Mühe macht und in die Politik geht, ohne der Macht und dem Hass zu verfallen, alle, die ihre Pflichten im Privaten wie im Beruflichen erfüllen legen schon einen Grundstein für eine bessere Zukunft. Damit die neugeborenen Kinder dieser Welt möglichst viel Licht sehen statt Dunkelheit.

Möge Gottes Licht auch in eure Herzen scheinen.

Amen.

Es gilt das gesprochene Wort.


Fragen oder Gedanken dazu? Schreib mir an info@viktor-weber.com.