7. So. n. Trinitatis
7. So. n. Trinitatis – Themenpredigt Zukunft
„Sieh her: Gottes Wohnung ist bei den Menschen! Er wird bei ihnen wohnen, und sie werden seine Völker sein. Gott selbst wird als ihr Gott bei ihnen sein. Er wird jede Träne abwischen von ihren Augen. Es wird keinen Tod und keine Trauer mehr geben, kein Klagegeschrei und keinen Schmerz. Denn was früher war, ist vergangen."
Auf die-bibel.de lesen ↗Szene 1: Spoiler sind super nervig
„Ein Spoiler (englisch to spoil, „verderben“) ist eine Information, die wesentliche Handlungselemente eines belletristischen Werks, eines Films, eines Videospiels, eines Hörbuchs, eines Sportereignisses oder Folgen einer Fernsehserie zusammenfasst und dadurch dazu geeignet ist, den Genuss am vollständigen Werk bzw. an der darin enthaltenen Spannung zu verderben.“
Wer kennt das nicht – da sitzt du mit deinen Freunden bei einem Filmabend, freust dich mega auf den Film, fragst dich, wer der Mörder ist und wer am Ende noch stirbt. Doch plötzlich ruft Klaus: „Es ist der Gärtner!“ Menschen wie Klaus lieben es, ihre Mitmenschen zu quälen. Es gibt kaum etwas nervigeres, als dass so ein Klaus das Ende vorhernimmt und dir die ganze Freude am Film verdirbt.
Liebe Gemeinde, wenn jemand uns verrät, wie unser Leben ausgeht, wäre die Spannung dann auch raus, so wie bei einem Film? Könnte Vorteile haben, sein Ende nicht zu kennen.
Szene 2: Spoiler – Happy End
Eigentlich sage ich meinen Mitmenschen gerne, dass alles am Ende gut wird. So verstehe ich das Evangelium. Am Ende wird alles gut, am Ende feiern wir im Himmel alle versammelt auf Wolke 7 und spielen Harfe von Ewigkeit zu Ewigkeit. Naja, etwas überspitzt. Ende gut, alles gut, dann müsste sich doch eigentlich dieses Leben ganz entspannt leben lassen. Die vielen kleinen Hindernisse überwinden wir getrost im Blick auf das Happy End. Das Problem dabei ist: die Bibel spricht gar nicht so klar von einem Happy End und schon gar nicht für alle. Und überhaupt: Was bringt mir ein Happy End im Himmel, wenn ich in diesem Leben an meinen Problemen zerbreche! Was ich brauche, ist eine belastbare Perspektive für hier und heute. Jemanden, der mir zur Seite steht. Konkrete Lösungen. Bestimmt kennt ihr diese Filme mit Happy End: die Storyline fordert unfassbar viele Opfer, wahnsinnig viele Personen sterben, am Ende siegt aber das gute und nur ein kleiner Haufen Helden überleben. Alle sind glücklich, der Abspann kommt, Wohlfühlmusik lullt die Zuschauenden ein. Happy End? Hallo? Es sind so viele gestorben! Es gab unfassbar viel Zerstörung!
Szene 3: Alles wird gut!
Als die Corona-Krise begann – sie steckt den meisten von uns wohl noch in den Knochen – da veröffentlichte ich ein Video bei Social Media, bei dem ich sagte: „Leute, keine Panik. Wir kommen auch durch diese Krise. Am Ende wird alles gut!“ Ja, ich bin einfach ein richtig guter Motivator. Relativ schnell kamen verärgerte Rückmeldungen. Eine davon war besonders entrüstet. Jemand schrieb: „Wie kannst du so etwas sagen. Es wird überhaupt nicht alles gut. Meine Mutter ist an Corona gestorben. Wie viele Menschen sollen noch sterben, bis alles gut wird?“ Autsch. So eine Rückmeldung sitzt. Ich meine: nichts ist kontraproduktiver, als den Kopf in den Sand zu stecken und in Panik davonzurennen. Außer jemandem mit großen Problemen die Hand auf die Schultern legen und sagen: „Kopf hoch, es wird alles gut.“ Kennt ihr irgendjemanden, dem so etwas schon mal geholfen hat? Alles wird gut. Niemals wird alles gut. Manchmal wird für manche etwas gut. Neben all dem Schlechten. So sieht es nämlich aus.
Szene 4: Offenbarung 21
Habt ihr den Predigttext noch im Ohr? Ich lese einen Ausschnitt noch einmal: „Sieh her: Gottes Wohnung ist bei den Menschen! Er wird bei ihnen wohnen, und sie werden seine Völker sein. Gott selbst wird als ihr Gott bei ihnen sein. Er wird jede Träne abwischen von ihren Augen. Es wird keinen Tod und keine Trauer mehr geben, kein Klagegeschrei und keinen Schmerz. Denn was früher war, ist vergangen.“ Er wird jede Träne abwischen von ihren Augen. Es wird keinen Tod und keine Trauer mehr geben, kein Klagegeschrei und keinen Schmerz. Denn was früher war, ist vergangen. Das ist eine Information, mit der ich etwas anfangen kann. Die Vorstellung, dass mein Stress, dass meine Probleme, dass Krankheiten, Kriege und alles Leid nicht einfach mit einem blöden Spruch abgetan werden „war doch nicht so schlimm, du bist jetzt ja im Paradies“, sondern dass das alles gesehen wird von Gott. Dass er mitfühlt. Dass er die Tränen ernst nimmt. Jede Träne. Da bekomme ich Gänsehaut. Da merke ich: ich bin zwar einer von Milliarden und täglich sterben die Menschen dahin wie die Mücken, aber ich bin ich. Ich habe meine Würde. Du hast deine Würde. Du bist nicht einfach nur eine Steuernummer oder so. Du hast einen Namen. Du hast eine Biografie. Du hast dein Profil. Gezeichnet durch Narben und Tränen. Gott sieht die Tränen und tröstet dich. Und jede Narbe und jede Träne erzählt ihre Geschichte. Bewegende Geschichten. Wollen wir uns nicht gegenseitig unsere Geschichten erzählen? Und auch zuhören? Lasst es uns so machen wir Gott: zeigt einander die Tränen. Haltet den Schmerz des anderen aus. Dann werden wir eine Gemeinschaft, die die Pforten der Hölle nicht werden überwinden können.
Szene 5: Don’t look up
Liebe Gemeinde, was wäre denn, wenn jemand uns das Ende spoilert, aber niemand glaubt es? Wenn die Zeichen der Zeit unmissverständlich anzeigen, was dran ist? Wenn der Feigenbaum aus unserem Evangelium heute austreibt und Blätter bekommt? Was, wenn keiner das Offensichtliche glaubt?
Am 24. Dezember 2021. Wisst ihr, was da war? Genau. Der Film „Don’t look up“ wurde bei Netflix veröffentlicht. Ich habe ihn gesehen. Nicht am 24. Da habe ich alles Mögliche zu tun, aber keine Zeit für Netflix. Augen auf bei der Berufswahl. Der Film „Don’t look up“ ist ein Film, der zeigt, wie die Menschheit eine globale Katastrophe zusteuert. Ein Meteorit fliegt geradewegs auf die Erde zu. Leonardo DiCapprio, der einen verdatterten Professor spielt, entdeckt den Kometen und versucht die Politik zu warnen. Doch die Präsidentin will aufgrund von Zwischenwahlen keine negative Stimmung erzeugen. Die Bevölkerung reagiert auf die Nachricht mit Verschwörungserzählungen und Verleugnung. Es ist nicht auszuhalten, mit welcher Unaufhaltsamkeit die Welt ihrem Ende entgegengeht. Das Offensichtliche geht unter in einem Wust von Lügen und Intrigen.
Liebe Gemeinde, ob unsere Welt noch zu retten ist, das frage ich mich nicht erst seit den letzten Wahlen in den USA. Aber dass etwas geschehen musst, das steht außer Frage. Ebenfalls außer Frage steht: wir kleine Schar werden die großen Linien der Weltgeschichte nicht verändern können. So wie ein Feigenbaum wächst oder auch nicht, ohne dass wir dazu erst befragt werden müssen. Dennoch können wir die Zeichen der Zeit beachten und darauf reagieren. Und wenn es nötig ist, zum Widerstand aufstehen.
Szene 6: Gott wird unter den Menschen wohnen
Der Seher Johannes schreibt, dass am Ende der Zeiten Gott selbst bei den Menschen wohnen wird. Er wird sein Zelt haben unter den Menschen, so heißt es im Griechischen. Eine mobile Wohnung. Vielleicht so etwas wie einen Wohnwagen. Die Vorstellung, dass Gott unter den Menschen zeltet, stammt noch aus ganz alten Zeiten. Als die Israeliten noch als Nomaden durch die Wüste zogen und ihre Zelte mal hier, mal da aufschlugen und die Stiftshütte, eine großes und schön geschmücktes Zelt, die Wohnung Gottes, immer bei sich hatten.
Gott wird unter uns wohnen. Verdirbt es uns nun die Spannung, das zu wissen, bevor unser Lebensfilm zu Ende geht und der Vorhang fällt?
Ich denke, dieser Spoiler hat eine gute Funktion. Denn der Film deines Lebens kann tatsächlich positiver verlaufen, wenn du weißt, dass du auf ein Happy End zulebst. Aber definiere das „happy“ „Happy End“! Hauptsache überleben? Nein, das kann es nicht sein. Hauptsache überleben kann kein sinnvolles Lebensziel sein. Die Menschen wollen gut leben. Das ist etwas anderes, als ständig damit beschäftigt zu sein, zu überleben. Ich glaube, dass Gott das auch will. Dass wir nicht nur überleben, sondern leben. Deshalb die Gebote. Deshalb das Evangelium. Deshalb Vergebung. Dass Gott unter uns wohnt, erkennen wir an diesen Dingen. Dass wir miteinander leben. In Liebe und Vergebung.
Und am Schluss, definiere das „end“ in „happy end“. Was ist eigentlich das Ende? Es könnte irgendwas sein zwischen meinem persönlichen Lebensende oder dem Ende der Welt. Ich hörte einmal den Spruch: Am Ende wird alles gut. Und wenn es nicht gut ist, dann ist das nicht das Ende. Andere sagen: Besser ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende. Und am Ende jeder Predigt und in der Kirche sowieso kommt – und kann nicht anders: ein Amen.
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