Viktor Weber Pfarrer in Berlin

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8. So. n. Trinitatis

8. So. n. Trinitatis – Jes 2 – Taufe

Dorfkirche Alt-Staaken · 10. August 2025 · Pfarrer Viktor Weber

Predigtvorbereitung 8. Sonntag nach Trinitatis, 10. Augst 2025, Dorfkirche Alt-Staaken

Jesaja 2,1-5

Licht für die Völker, Licht der Welt

Vorbildfunktion

Kann es Frieden geben, wenn alle Menschen an Jesus glauben?

Völkerwallfahrt zum Berg Zion, Bergpredigt, Licht

JHWH erscheint wie ein internationaler Gerichtshof, der neutral Recht zwischen den Völkern spricht, so dass man keiner Waffen mehr bedarf (Dr. Alexander Weidner).

Die Völker kommen aus eigener Einsicht, nicht aus Zwang

Wie wird Frieden? Frieden wird aus Recht

Frieden beginnt, dass Menschen zu ihrem Recht kommen

Friedensdenkschrift der EKD von 2007 unter dem Titel „Aus Gottes Frieden leben – für gerechten Frieden sorgen“

Liebe Gemeinde,

wie kann es Frieden geben?

Im Heiligen Land gibt es mehr Berge als in Berlin. Der Prenzlauer Berg oder Kreuzberg heißen zwar Berg, sind es aber nicht. Der neue Hahneberg ist mit knapp 90 m.ü.M. schon ganz gut dabei. Die höchste Erhebung in Berlin ist Arkenberge in Pankow-Blankenfelde(, mit über 120 m.ü.M.) sogar noch etwas größer ist als der Teufelsberg. Der Gottesberg Zion hingegen ist (mit knapp 770 m.ü.M.) ein echter Berg. Mose empfing die Gebote der Überlieferung nach auf dem Sinai mit etwa 2.300 Metern.

Berge

Je höher der Berg, desto näher der Himmel. Je näher der Himmel, desto näher Gott. Jedenfalls gefühlt, denn Gott ist überall.

Gottesberge gibt es allewege. Der Sinai. Der Zion. Der Olymp. Doch als die Menschen sie besteigen, finden sie keine Götter. Warum denn auch. Niemand erwartet auf dem Teufelsberg den Teufel anzutreffen. Auch der erste Mensch im Weltraum, Juri Gagarin, trifft Gott auch in weiterer Höhe nicht an. Die Bibel sagt: „Gott wohnt im Verborgenen“ (Jesaja 45,15). Er wird uns neben dem Gipfelkreuz nicht für ein Selfie zur Verfügung stehen.

Doch Gott ist da. Wer auf einem hohen Berg steht und seinen Blick schweifen lässt, vergisst alles um sich herum für einige Augenblicke. Unten im Tal wirkt alles so klein. Es ist wie über den Wolken: alle Ängste und alle Sorgen, sagt man, blieben darunter verborgen und dann, würde was uns groß und wichtig erscheint, plötzlich nichtig und klein. Berge sind Inspiration. Die Sachen mal mit etwas Abstand betrachten. Das tut gut.

Der Predigttext

Wenn du oben auf einem Berg stehst und auf die Welt herabschaust, in diesem seligen Augenblick, dann wird noch weniger verständlich, warum sich die Menschheit bekriegt, als es das ohnehin eigentlich unverständlich ist.

Liebe Gemeinde, wie kann es Frieden geben?

Jesaja lebt zu Zeiten, als die Assyrer die Weltgeschichte dominieren. Um das Alte Testament einigermaßen zu verstehen, sollte jeder Gläubige zwei Daten im Kopf haben:

722 vor Christus erobert der assyrische Herrscher Sargon II. das Nordreich Israel und deportiert Teile der Bevölkerung

586 vor Christus erobert der babylonische Herrscher Nebukadnezar II. das Südreich, zerstört den Tempel in Jerusalem und deportiert führende Gesellschaftsschichten ins sogenannte babylonische Exil.

Kleine Merkhilfe: „Sieben-zwei-zwei – Sargon stürmt herbei. Fünf-acht-sechs – Nebukadnezars Ex(il)!“

Beide Ereignisse brennen sich tief in das kollektive Bewusstsein der israelitischen Bevölkerung ein. Von dort aus deuten sie die Geschichte theologisch: Gott handelt in der Geschichte. Er richtet und rettet. Er benutzt dafür, wenn nötig, fremde Völker und: Krieg. Viele biblische Geschichten versteht ein Leser erst mit diesem Hintergrundwissen.

Jesaja lebt Kriegszeiten. Nur ist da der Krieg deutlich näher gerückt als derzeit bei uns. Krieg ist furchtbar. Wie verloren ist die Menschheit, dass sie sich bekriegt.

Jesaja. Sein Name bedeutet: Jahwe rettet. Wir merken auf – heißt nicht der Name Jesus in etwa dasselbe? Jesus ist die gräzisierte Form des hebräischen Wortes „Jehoshua“. Ja, kleiner AHA-Effekt: Jesus hieß gar nicht Jesus. Auch nicht „Jesus“ wie im Englischen oder „Iisus“ wie im Russischen. Im Griechischen wurde er so genannt und keine Sorge, wir dürfen ihn weiter Jesus nennen. Nicht der Name ist entscheidend, sondern worauf er verweist. Jesaja und Jehoshua heißen ungefähr dasselbe, da sie vom gleichen Wortstamm abstammen. Die Namen bedeuten: Jahwe rettet.

Dieser Jahwe-rettet-Jesaja hat nun eine Vision: er sieht alle Völker zum Zion ziehen und ihre Schwerter zu Pflugscharen schmieden. Sie strömen bergauf. Flüsse tun das nie. Gottes Frieden kehrt Gravitationen um – auch die der Gewalt. Stellt euch vor: 5% des Bruttoinlandsprodukts werden frei für Friedensdienste. Niemand kämpft mehr gegeneinander. Niemand lernt Krieg zu führen. Das Ganze klappt, weil Gott unparteiischer Richter ist und Ordnung garantiert. Gott schlichtet Streit zwischen den Völkern. Wie Eltern den Streit zwischen ihren Kindern.

Ach, hätten wir nur jemanden, der zwischen den Völkern schlichtet. Plötzlich landen wir bei Fragen internationaler Politik. Einer der letzten großen Versuche, solche „Eltern“ zu schaffen, war die Gründung der UN, der Vereinten Nationen. Eine Gemeinschaft von Staaten, die immer wieder zusammenkommt, um zwischen Völkern zu vermitteln. Oder ist gibt den internationalen Gerichtshof in Den Haag. Alles Lichtblicke, die Hoffnung machen, dass die Menschheit sich zum Guten entwickeln kann. Doch leider gibt es Widerstand. Staaten und Personen, die dort verurteilt werden, erkennen Entscheidungen solcher Gremien häufig nicht an. Die Versuche der Menschheit, sich selbst zu retten, wollen nicht recht funktionieren.

Und so bleibt weiterhin die Frage: Wie kann es Frieden geben?

Ich war als Jugendlicher zu einer Veranstaltung in Stuttgart. Jugendmissionskonferenz hieß das damals mit Vorträgen und Workshops. Ein Referent sagte: Frieden kann es nur geben, wenn sich alle Menschen zu Jesus bekehren. Das klingt verlockend schlicht. Natürlich kann es Frieden geben, wenn sich alle zu Jesus bekehren. Genauso wie es Frieden geben mag, wenn sich alle zu Allah bekehren. Oder zu einem anderen Gott. Oder zum Atheismus. Oder wenn alle dem russischen Großreich beitreten. Also lauter Dinge, die niemals eintreten werden. Und selbst wenn sie eintreten, wird es dennoch Streit geben. Oder kennt ihr eine Gemeinschaft, die in absolutem Frieden miteinander auskommt? Das Christentum jedenfalls nicht.

Vorsicht, bei solchen Vorschlägen soll jemand seine Identität aufgeben, um eine fremde anzunehmen. Wie übergriffig. Wie arrogant. Solche Vorschläge setzen voraus, dass eine bestimmte Art und Weise zu leben die bessere ist, während andere defizitär sind. Ich bin besser als du. Du bist minderwertig. Wie auch immer Frieden werden kann – so sicher nicht.

Wir Christinen und Christen glauben, dass Jesus Frieden bringen kann – und das zurecht! Wir erinnern uns: Der Name Jesus bedeutet „Jahwe rettet“. Der Name Jesus verweist auf etwas anderes als auf ihn selbst. Nämlich auf Jahwe. Erlaubt mir hier eine gedankliche Abkürzung zu nehmen und statt Jahwe Gott zu sagen. Also: „Gott rettet“. Gott auf Arabisch heißt: Allah. Und auf anderen Sprachen anders. Nicht so sehr der Name ist entscheidend, sondern worauf der Name verweist. Der Name Gott verweist auf etwas, was wir unbedingt brauchen, das wir aber nicht selbst schaffen können. Der Name Gott verweist in Wahrheit sogar auf etwas, das geschieht. Also nicht so sehr auf etwas, das an einem bestimmten Ort ist, sondern das unter bestimmten Voraussetzungen geschieht.

Zion kann überall sein. Zion geschieht dort, wo Menschen die Waffen niederlegen und nach Recht und Gerechtigkeit fragen. Dort, wo sie aus Schwertern Pflugscharen schmieden. Dort, wo sie verlernen, zu kämpfen. Dort wohnt Gott. Dort lässt sich Gott erfahren. Egal welche Namen man ihm geben mag. Das Besondere im Bibeltext: Die Völker bleiben als Völker erkennbar. Sie behalten ihrer Identität. Sie müssen sich nicht verbiegen. Und dennoch kann Frieden werden. Denn die Weisungen Gottes sind universelle Weisungen, die in die Gewissen aller Völker gelegt sind (Römer 2,15). Wir wissen es. Lasst es uns umsetzen.

Liebe Gemeinde, wie kann es eigentlich Frieden geben?

Die Völker werden vergessen, wie man Krieg führt. Zu vergessen, wie man sich bekriegt, schafft noch keinen Frieden. Frieden schaffen nur viele kleine Hände an vielen kleinen Orten, die den Weisungen Gottes gehorchen. Träume hin oder her, entscheidend ist in unserem Predigttext der letzte Satz: „Auf, ihr Nachkommen Jakobs, lasst uns schon jetzt im Licht Gottes leben“.

Lasst uns im Licht Gottes leben. Liebe Gemeinde, „ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein. Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter; so leuchtet es allen, die im Hause sind. So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.“ (Matthäus 5)

Jesus folgen heißt: einen Weg zu Gerechtigkeit zu finden und dabei auf Rache und Vergeltung zu verzichten.

Jesus folgen heißt: den Nächsten so zu lieben wie sich selbst, also auch dessen andere Identität zu akzeptieren.

Jesus nachfolgen heißt: stärker nach Frieden zu streben als nach Reichtum.

Jesus nachfolgen heißt: ernst damit zu machen, dass es genug für alle gibt auf dieser Welt.

Jesus nachfolgen heißt, dem Hass zu wehren und aufrichtige Liebe zu fördern.

Liebe Gemeinde. Lasst uns Jesus nachfolgen. Dann beginnt hier in Staaken eine Keimzelle des Friedens zu wachsen. Dann beginnt hier in Staaken ein Stück von Zion. Auch wenn es hier nicht so viele Berge gibt. Aber immerhin den Hahneberg.

Gott gebe uns seinen Segen dazu.

Amen.

Es gilt das gesprochene Wort.


Fragen oder Gedanken dazu? Schreib mir an info@viktor-weber.com.