1. Advent
1. Advent – Röm 13 – seid niemanden etwas schuldig außer an Liebe – Wahlen
Predigt 1. Advent 2025
- November 2025
Dorfkirche Alt-Staaken
Seid niemandem etwas schuldig, außer dass ihr euch untereinander liebt; denn wer den andern liebt, der hat das Gesetz erfüllt. Denn was da gesagt ist »Du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht töten; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht begehren«, und was da sonst an Geboten ist, das wird in diesem Wort zusammengefasst: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.« Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses. So ist nun die Liebe des Gesetzes Erfüllung. Und das tut, weil ihr die Zeit erkannt habt, dass die Stunde da ist, aufzustehen vom Schlaf, denn unser Heil ist jetzt näher als zu der Zeit, da wir gläubig wurden. Die Nacht ist vorgerückt, der Tag ist nahe herbeigekommen. So lasst uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts.
Römer 13,8-12
Meditation
Bemerkenswert. Je dunkler es wird, desto besser ist auch das kleinste Licht zu sehen. Die Dunkelheit kann das Licht nicht vertreiben. Je ärger sie wütet, desto klarer wirkt das Licht. Nicht die Dunkelheit vertreibt das Licht, sondern wenn das Licht keine Quelle mehr hat, aus der es sich speisen kann.
Waffen des Lichts – Problembegriff „Waffen“
Legt an die Waffen des Lichts. Damit dürften kaum HIMARS-Raketen, Haubitzen oder Drohnen gemeint sein. Jesus ist kein Freund von Waffen. Er sagt: „Wer das Schwert nimmt, wird durch das Schwert umkommen“ (Mt. 26,52). Und noch klarer: „Leistet dem, der euch etwas Böses tut, keinen Widerstand. Sondern wenn dich jemand auf die rechte Wange schlägt, dem halte auch die andere hin“ (Mt. 5,39) und „liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen“ (Mt. 5,44).
Ebenso gilt jedoch andererseits: Jesus ist kein Freund von Unterdrückung. Er sagt nämlich Dinge wie: „Gott wird seinen Auserwählten, die Tag und Nacht zu ihm schreien, Recht verschaffen – und zwar schnell“ (Lk. 18,7) – Gott ist dabei frei in der Wahl seiner Mittel. Manchmal wählt er dafür gewaltfreie Methoden und manchmal Krieg.
Verwirrung – zwischen gut und böse
Liebe Gemeinde, es ist so leicht, die Welt in gut und böse aufzuteilen. Das schafft Orientierung. Hier das Licht, dort die Finsternis. Das Licht, das ist natürlich bei uns. Leider sagen die auf der anderen Seite dasselbe. Doch die Welt ist bei Lichte betrachtet viel komplexer ist als gedacht. Nicht schwarz-weiß, sondern bunt, so wie das Licht in all seinen Spektralfarben. Wie oft hat sich gezeigt, dass die vermeintlich Guten in Wirklichkeit die Bösen waren. Mörder, Räuber und Verbrecher. Können uns die Waffen des Lichts helfen, dem Bösen zu wehren? Können sie uns helfen, dem Guten den Weg zu bereiten? Das ist die Finsternis: die Menschen verstehen einander nicht mehr. Die Nacht ist vorgedrungen. Gerade in diesen Zeiten wird man unser Licht leuchten sehen.
Christus – das Licht der Welt
Der kürzeste Tag des Jahres 2025 ist der 21. Dezember. Vier Tage später lässt sich schon erahnen kann, dass die Tage länger werden und das Licht zurückkehrt. Dann, am 25. Dezember kommt Christus, die wahre Sonne, das Licht der Welt auf die Erde. Christus und die Waffen des Lichts. Es sind Glaube, Liebe, Hoffnung, Gerechtigkeit, Frieden, Freiheit. Für sie lohnt es sich zu leben. Für sie lohnt es sich zu sterben. Nicht mehr lange bis zum 21. Dezember. Die Nacht ist weit vorgerückt, und der Tag ist nahe. Von Christus
lernen. Dafür brennt Paulus.
Ich wäre gern ein guter Held
Manchmal, wenn ich einen richtig guten Film sehe, habe ich kurz den Wunsch, so wie der Held zu sein. Einer von den Guten. Auf der Seite des Lichts. Gegen die anderen, die Bösen. Mit einem Laser-Schwert wie ein Jedi Ritter. Mit dem Patronus-Zauber von Harry Potter.
Aber ein richtig guter Film zeigt die Helden mit ihren inneren Kämpfen, mit ihrer Not und falschen Entscheidungen. Sie kämpfen außen und innen. Ihr Licht ist Anstand. Respekt. Selbstaufopferung. Diese Lichter leuchten um so heller, je dunkler es um sie herum ist.
Paulus der unermüdliche Kämpfer für Christus
Über 11 Kapitel hinweg erklärt Paulus, wie es sich mit dem guten Gesetz Gottes verhält. Welche Rolle es spielt für die Beziehung von Menschen untereinander. Was es für die Beziehung der Menschen zu Gott bedeutet. Nun bringt er es auf den Punkt. Es gibt ein Prinzip, schreibt er, das den Menschen helfen soll, das Gesetz so anzuwenden, wie es eigentlich gemeint ist. Und dieses Prinzip lautet: Wer den anderen liebt, der hat das Gesetz erfüllt. Dieses Prinzip heißt: liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Es ist ein Prinzip, das wir bei Jesus finden. Und es ist ein Prinzip, das ganz tief im Alten Testament verankert ist. Der Kirchenvater Augustinus sagt dazu: Liebe und dann tue, was du willst. Die Liebe wirft ein neues Licht auf die Dinge.
Vergebung – Waffe des Lichts
Corrie ten Boom versteckt während der Nazi-Besatzung in den Niederlanden über 800 Juden in ihrem Haus. Sie wird verraten, kommt ins KZ Ravensbrück, überlebt als einzige ihrer Familie. Nach dem Krieg erzählt sie viel über Vergebung. Dann kommt der Moment: Ein ehemaliger KZ-Aufseher steht nach einer ihrer Predigten vor ihr und bittet sie um Vergebung. Corrie sagt: „Ich konnte nicht. Alles in mir schrie Nein. Aber dann spürte ich: Vergebung ist kein Gefühl. Es ist ein Akt des Willens.“ Sie gibt ihm mechanisch die Hand — und erlebt ein Wunder. Unter Tränen sagt sie: ich vergebe dir, Bruder, von genazem Herzen. Später beschreibt sie diesen Moment als Art „Stromstoß des Lichts“. Ja. Es gibt kleine und es gibt große Lichter.
Was zu tun ist – in aller Kürze – Message to go
Die ultimative Waffe des Lichts ist die Liebe. Die Liebe ist die Summe aller guten Gebote. Wer dieses Prinzip versteht, der versteht alle Gebote. Die Liebe bezieht sich auf Gott. Und sie bezieht sich auf den Mitmenschen. Jemand sagte mal: „Wenn dich jemand ärgert, dann stell dir einfach vor, wie diese Person auf der Kloschüssel sitzt. Das wird dir helfen.“ Ein schöner Trick, doch ich mache es lieber anders: „Wenn dich jemand zur Weißglut bringt, dann denke daran: auch dieser Mensch ist ein Kind Gottes“. Gott selbst leidet, wenn wir uns hassen.
Den Mitmenschen lieben heißt konkret: Erst mal erfahren, mit wem man es zu tun hat. Wie wäre es, wenn jeder von uns nach dem Gottesdienst eine noch unbekannte Person anspricht? So in dem Sinne: Hey, ich mach jetzt mal was ganz Verrücktes: Ich frage Dich wie du heißt und wie es dir geht und was dich in den Gottesdienst führt.
Oder erinnere dich an den Streit mit einem Freund und versetze dich mal in seine Perspektive.
Oder mach dir klar, dass dein Gegenüber auch mal Recht hat. Sich untereinander lieben heißt: danach fragen, welche Bedürfnisse der andere hat, und zwar sich aufrichtig dafür zu interessieren.
Das sind alles kleine Lichter. Und sie leuchte um so heller, je dunkler es ist.
Die EKD-Denkschrift „Welt in Unordnung – Gerechter Friede im Blick“
Zum Schluss möchte ich euch besonderes kleines Licht vorstellen. Und zwar hat die EKD ganz frisch eine Denkschrift veröffentlicht mit dem Titel „Welt in Unordnung – Gerechter Friede im Blick“. Wie geht die Evangelische Kirche mit der Realität von Krieg um? Ich finde einen Gedanken besonders gut gelungen: christliche Nächstenliebe bedeutet, dass die geschützt werden müssen, von Gewalt bedroht sind. Gewalt anzuwenden ist nicht möglich, ohne schuldig zu werden. Aber auch Menschen oder ein Staat machen sich schuldig, wenn sie Gewalt zulassen und Menschen nicht vor ihr schützen. Gewalt darf nur als letztes Mittel und unter ständiger ethischer Prüfung angewandt werden. Da ist es wieder. Das kleine Licht in der Dunkelheit. Manchmal flackert das Licht und droht auszugehen. Aber Gott hat uns verheißen, dass selbst der glimmende Docht nicht ausgelöscht werden wird (Mt. 12,20).
Knaller zum Abschluss – Christus anziehen
Zieht also die Waffen des Lichts an. Nur wenig später in Vers 14 schreibt Paulus: zieht den Herrn Jesus Christus an. Was, wenn die eigentliche Waffe des Lichts Christus ist? Derselbe Paulus schreibt im Brief an die Galater: „Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen“ (Gal 3,27).
Waffen sind schlecht. Waffen sind gut. Diplomatie ist besser.
Legt an die Waffen des Lichts. Auch wenn unsere Welt Waffen braucht, um Waffen zu wehren, ist Licht besser. Diplomatie ist besser. Miteinander reden ist besser. Wenn zwei es miteinander nicht schaffen, muss eine dritte Partei vermitteln. Mögen die Waffen schweigen. Möge die Liebe siegen. Unser Licht heißt: Christus. Egal wie sehr die Finsternis in und um uns wütet, Christus, das Licht bringt sie dadurch nur deutlicher zum Ausdruck.
So möge das Licht mit euch sein. Amen.
Fragen oder Gedanken dazu? Schreib mir an info@viktor-weber.com.