Viktor Weber Pfarrer in Berlin

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Kantatengottesdienst

Kantatengottesdienst

Staaken · 24. Dezember 2025 · Pfarrer Viktor Weber

Hesekiel 37,24-28 (Christvesper Heiligabend) / Basisbibel

Ein Wort zu den nach Babylon deportierten Israeliten:

Mein Knecht David wird ihr König sein, ein einziger Hirte für das ganze Volk. Sie werden meine Gebote beachten und meine Anordnungen bewahren und befolgen. Sie werden in dem Land wohnen, das ich meinem Knecht Jakob gegeben habe. Dort haben schon ihre Vorfahren gewohnt. Jetzt werden sie, ihre Kinder und Enkel für alle Zeit dort wohnen. Und mein Knecht David wird für alle Zeit über sie herrschen. Dann schließe ich einen Bund des Friedens mit ihnen. Dieser Bund wird für alle Zeit gelten. Ich gebe ihnen das Land und sorge dafür, dass sie sich vermehren. Für immer wird mein Heiligtum in ihrer Mitte sein. Ich werde unter ihnen wohnen und ihr Gott sein. Und sie, sie werden mein Volk sein. Mein Heiligtum wird für alle Zeit mitten unter meinem Volk stehen. So werden die Völker erkennen, dass ich, der Herr, Israel heilig mache.

Liebe Gemeinde,

stellt euch vor, Gott beschließt für eine Weile auf die Erde zu ziehen. Er überlegt: Ich möchte die Menschen nicht überfordern. Am besten werde ich einer von ihnen und schaue mir alles aus der Nähe an.

Jetzt stellt euch vor, Ihr arbeitet in einem Reisebüro und Gott kommt, um sich beraten zu lassen. „Wann und wo sollte ich am besten auf der Erde wohnen?“

Aus heutiger Perspektive könnte etwas mit heutigen Standards gut sein, also auf jeden Fall mit Strom und Auto und so.

Nun, wie wäre es mit den 1970gern in den USA? Freiheit und Wohlstand, dazu ein wenig Rock’n’Roll. Allerdings könnte es passieren, dass du in eine schwarze Familie hineingeboren wirst und unter starker Diskriminierung leidest. Oder du gerätst in den Vietnamkrieg und stirbst an der Front.

Dann wohl besser in Japan in den 1980gern? Technik vom Feinsten, ein von der Natur gesegnetes Land, wunderschön. Könnte aber passieren, dass dein Leben nur noch aus Arbeit besteht oder du vor lauter Smog nicht mehr atmen kannst.

Dann wohl am besten nach Berlin im Jahr 2025? Gute Idee, schließlich wohnt ihr ja hier. Aber finde erst mal eine Wohnung in Berlin! Und dann vermutlich nach Möglichkeit in den Grunewald. Wobei Staaken hier rund um die Dorfkirche ja auch seinen Charme hat. Und zu Staaken gehört auch Heerstraße Nord, wo es letztens schon wieder schlimm gebrannt hat, mit Verletzten und großem Entsetzen.

Das jedenfalls bietest du Gott an. Der wird sich was denken. Vielleicht so etwas wie: „Ach du meine Güte, was sind das für Zustände! Dabei wollte ich doch, dass alles schön und friedlich wird. Jetzt will ich mich aber erst recht unter’s Volk mischen und mir alles ungeschminkt ansehen.“

Und dann wird es die Zeit, als Quirinius Statthalter in Syrien ist. Dann wird es eine junge, einigermaßen mittellose Familie. Dann passiert es auf einer längeren Reise während der Schwangerschaft.

Und ich frage mich: warum hat es Gott gefallen, diese Geschichte von diesem Jesus so groß zu machen? Warum ein damals unbedeutendes Land, zudem unter erbärmlichen Umständen? Warum mischt er sich dort unter’s Volk?

Die Menschen suchen das Kind im Stall und begegnen dabei Gott. Es stinkt, es ist laut, es ist ungemütlich.

Liebe Gemeinde, wo auch immer ihr eure Gotteserfahrungen macht – und ich wünsche euch schöne und viele Gotteserfahrungen, Ahnungen davon, dass Gott seine Finger im Spiel hat, wo auch immer ihr eure Gotteserfahrungen macht, eins ist klar: Gott lässt sich auch dort finden, wo niemand mit ihm rechnen. Der Herrliche im Einfachen. Der Unendliche in der Endlichkeit. Der Große im Kleinen. Der überaus Reiche in der Armut. Im Verstoßenen. Im Elend. Im Abgrund. Aber auch in den kleinsten Wohnungen, die es gibt: in unseren Herzen.

Ich könnte mir vorstellen, dass Gott für eine schöne Herzenswohnung dankbar ist. Er braucht nicht viel. Etwas Bescheidenheit. Etwas Nächstenliebe. Ein Sinn für Gerechtigkeit. Eine helfende Hand für Menschen in Not. Das ist, was ihm gefällt.

Und wäre das nicht wahrhaftig weihnachtlich, wenn die Menschen seines Wohlgefallens nicht eher ruhen, bis sie die Welt zu einem Ort machen, wo Gott jederzeit und entspannt zu Welt kommen könnte? Wenn sie es schaffen, die Welt zu einem Ort zu formen, wo alle Menschen bekommen, was sie brauchen und davon so viel wie sie brauchen? Ich träume von so einer Welt und ich hoffe, ihr träumt mit. Heute am Heiligen Abend dürfen wir träumen. Träume sind Vorstellungen von einer besseren Welt, auf die wir hinarbeiten können. Lass uns Träumende sein.

Aber nur durch’s Träumen wird die Welt kein besserer Ort. Ich möchte deshalb schließen mit einer Frage, die ich euch in den Weihnachtsabend mitgebe. Die Frage lautet: Wann habe ich genug und wie viel kann ich teilen? Wann habe ich genug und wie viel kann ich teilen? Ich bin gewiss, Gott wird euer Gewissen lenken, damit ihr eine für euch passende Antwort darauf findet.

Seid gewiss. Gott ist da. Gott ist mitten unter uns. Freu dich, Erd und Sternenzelt, Halleluja.

Amen.

  1. Freu dich, Erd und Sternenzelt, Halleluja; Gottes Sohn kam in die Welt, Halleluja. Uns zum Heil erkoren, ward er heut geboren, heute uns geboren.

  2. Seht, der schönsten Rose Flor, Halleluja, sprießt aus Jesses Zweig empor, Halleluja. Uns zum Heil erkoren, ward er heut geboren, heute uns geboren.

  3. Engel zu den Hirten spricht: Halleluja, freut euch sehr und fürcht‘ euch nicht, Halleluja. Uns zum Heil erkoren, ward er heut geboren, heute uns geboren.

  4. Hört’s, ihr Menschen groß und klein, Halleluja, Friede soll auf Erden sein, Halleluja. Uns zum Heil erkoren, ward er heut geboren, heute uns geboren.

Es gilt das gesprochene Wort.


Fragen oder Gedanken dazu? Schreib mir an info@viktor-weber.com.