1. Weihnachtsfeiertag
1. Weihnachtsfeiertag
An Titus:
Erinnere die Glaubenden immer wieder daran, dass sie sich den Machthabern und staatlichen Behörden unterzuordnen haben. Sie sollen ihnen gehorchen und stets bereit sein, Gutes zu tun. 2 Sie sollen niemanden verleumden, friedliebend und gütig sein. Allen Menschen sollen sie mit Nachsicht begegnen. 3 Denn auch wir waren früher unverständig und ungehorsam. Wir waren auf einem Irrweg, wurden von allen möglichen Begierden und dem Streben nach Genuss beherrscht. Wir führten ein Leben voller Bosheit und Neid, waren verhasst und hassten einander.
Doch dann erschien die Güte und die Menschenfreundlichkeit Gottes, unseres Retters. Wir selbst hatten ja keine Taten vollbracht, mit denen wir uns rechtfertigen konnten. Aber er hat uns seine Barmherzigkeit geschenkt und uns gerettet. Aus dem Bad der Taufe werden wir neu geboren und erhalten durch den Heiligen Geist das neue Leben. Den hat Gott in reichem Maß über uns ausgegossen durch Jesus Christus, unseren Retter. Durch diese Gnade werden wir von Gott als gerecht angenommen. Und damit werden wir zu Erben des ewigen Lebens, so wie es unserer Hoffnung entspricht.
Dieses Wort ist zuverlässig.
Und ich erwarte,
dass du mit allem Nachdruck dafür eintrittst.
Denn alle, die an Gott glauben,
sollen sich ernsthaft darum bemühen,
Gutes zu tun.
Das ist recht
und nützt den Menschen.
Liebe Gemeinde,
es sind schon ein paar Jahre ins Land gezogen, seit Jesus gelebt hat. Die ersten Gemeinden haben sich etabliert. Sie werden in der Öffentlichkeit bereits wahrgenommen und möchten in einem guten Licht erstrahlen. Denn neue religiöse Bewegungen sind verdächtig. Wen wundert, dass der Gemeindeleiter Titus seine Gemeinde zu einem guten Verhalten anleiten soll. Doch wie passt das zu Weihnachten? Ist Weihnachten ein Fest, bei dem es hauptsächlich um gutes Verhalten geht, also darum, dass wir alle brav sind und unauffällig?
Ich sehe den Schwerpunkt von Weihnachten stärker bei den Geschenken. Es bleibt dabei und gilt erst recht zu Weihnachten: die wichtigsten Dinge kann ich mir nicht selbst machen. Die wichtigsten Dinge werden mir geschenkt.
Neulich erst traf ich die alte Nachbarin im Hausflur, die zu mir sagte: „Ich brauche keine Geschenke, ich habe alles.“ Die Erwachsenen haben’s schwer. Sie können sich alles kaufen, was sie brauchen. Wenn sie denn das Geld dafür haben. Und dann, dann können sie sich sogar Liebe kaufen, glauben sie. Kinder sind da viel entspannter. Schnell ist ein Wunschzettel ausgefüllt, es sprudelt nur so aus ihnen raus.
„Ich habe alles, ich brauche nichts“ ist ein zweifelhafter Satz. Gut für den, der wirklich nichts braucht. Aber wer braucht nicht Liebe, Zuneigung, Zärtlichkeit, Frieden, Gemeinschaft, Freunde, Ruhe, Geborgenheit, Sorglosigkeit? All das ist dauerhaft in Gefahr. Oder in einem Wort zusammengefasst: Wer braucht nicht Erlösung?
Merkwürdigerweise fallen diese Dinge besonders dann auf, wenn sie fehlen. Wenn die Einsamkeit plötzlich zuschlägt. Wenn junge Männer und Frauen plötzlich zur Armee müssen und die Freiheit gefährdet wird. Wenn eine Krankheit die eigene Selbständigkeit zerstört. Wenn eine Wirtschaftskrise die Lebensgrundlagen entzieht. Wenn eine Gesellschaft sich so verstreitet, dass die Menschen sich gegenseitig hassen. Wenn die Menschheit ihre Gewohnheiten nicht mehr umstellen kann und Klimaziele jährlich verfehlt werden. Dann brauchen die Menschen Rettung.
Nicht die gleichen Probleme. Aber doch vergleichbare hatten die Menschen vor 2000 Jahren im Nahen Osten. Wo genug Essen herbekommen für sich und die Familie? Die Mutter ist krank, wo das Geld für die Therapie zusammenbekommen? Die Römer haben unser Land erobert – wie werden wir wieder frei? Ach, käme nur ein Retter, käme nur ein Heiland.
Und der Retter kommt. Aber merkwürdigerweise bringt er nicht die Art von Rettung, auf die alle hofften und auf die alle heute hoffen. Die Menschen wollen Frieden, aber an Jesus glauben kann bedeuten, mit seiner Familie in einen Streit geraten. Die Menschen wollen Wohlstand. Aber Jesus nachfolgen kann bedeuten, ein einfaches Leben zu führen. Die Menschen wollen Ansehen, aber an Gott glauben kann Benachteiligung und sogar Verfolgung bedeuten.
Was für eine Art Rettung soll das denn sein, die dieser Retter bringt? Wovon sollen wir erlöst werden? Doch kaum von der inkompetenten Chefin oder vom nörgelnden Schwiegervater. Oder die Welt vor peinlichen deutschen Touristen auf Mallorca.
Der Autor des Titusbriefs meint: die Menschen werden ständig fremdbestimmt. Davon brauchen sie Erlösung. Sie werden fremdbestimmt durch bestimmte Gefühle, Haltungen und Gewohnheiten. Er schreibt: „Wir waren auf einem Irrweg, wurden von allen möglichen Begierden und dem Streben nach Genuss beherrscht. Wir führten ein Leben voller Bosheit und Neid, waren verhasst und hassten einander.“ Wer schon mal richtig jemanden beneidet hat, wer schon mal richtig jemanden gehasst hat, der weiß, wie stark diese Dinge sind. Der weiß, dass es so gut wie unmöglich ist, sich daraus zu lösen.
Wie merkwürdig. Ich sehe im Mitmenschen nur noch diesen einen Fehler, den er mal gemacht hat. Ich denke bei dieser einen Person nur noch daran, wieso ausgerechnet die so viel Glück hat und nicht ich. Ich vergesse bei dieser einen Sache, dass ich eine Familie habe und gebe der Versuchung willenlos nach. Ich versuche, ein gutes Leben zu führen, doch immer wieder scheitere ich und werde mit einem schlechten Gewissen bestraft.
Manchmal so schlimm, dass es wie ein Stachel im Fleisch ist. Mal lockt das Geld. Mal lockt die Macht. Mal lockt die Leichtsinnigkeit. „Wir wurden von unseren Begierden beherrscht“, heißt es im Titusbrief. Braucht die Menschheit Erlösung aus solchen Dingen? Ganz ohne Frage. Kann man sich dabei selbst erlösen? Naja, dazu gibt es unterschiedliche Meinungen. Manche sagen so, andere so.
Jedenfalls gibt es in der Psychologie ein interessantes Phänomen: Je verbissener jemand versucht, sich selbst zu reparieren, desto stärker verkrampft er innerlich. Das Problem rückt dabei ins Zentrum. Du beobachtest dich ständig, bewertest dich, verurteilst dich – und genau dadurch bekommt das, was du loswerden willst, immer mehr Macht über dich.
Hinzu kommt etwas Entscheidendes: Wer glaubt, wegen seiner Begierden, seines Neids oder seines Hasses ein schlechter Mensch zu sein, dem geht schnell die Kraft verloren, überhaupt noch etwas zu verändern. Scham nimmt gefangen. Sie macht klein. Sie macht unfrei. Es wird so eng, dass du dich unmöglich verändern kannst, wie sehr du auch willst.
Interessanterweise zeigt die Erfahrung: Erst wenn ein Mensch sich eingestehen kann: „Das Problem ist gerade da, aber das bin nicht ich. Ich bin trotzdem wertvoll“, entsteht wieder Luft zum Atmen. Dann werden Kräfte frei, um wirklich anders zu handeln. Plötzlich weicht der Zwang. Es weicht die Angst. Und du wirst frei, dich wirklich zu verändern.
Und siehe da, auf einmal finden wir uns 1:1 im Predigttext wieder: „Wir selbst hatten ja keine Taten vollbracht, mit denen wir uns rechtfertigen konnten. Aber er hat uns seine Barmherzigkeit geschenkt und uns gerettet. Aus dem Bad der Taufe werden wir neu geboren und erhalten durch den Heiligen Geist das neue Leben. Den hat Gott in reichem Maß über uns ausgegossen durch Jesus Christus, unseren Retter. Durch diese Gnade werden wir von Gott als gerecht angenommen.“
Wenn man eins bei Jesus lernt, dann dass wir alle wertvolle Kinder Gottes sind. Und das nicht erst, wenn wir ein astreines Zeugnis, eine weiße Weste vorlegen, sondern von Geburt an. Wer getauft ist, der ist solchen Glauben hineingetauft, dass er und sie ein wertvolles Kind Gottes ist. Das gilt allerdings für deine Feinde auch. Ja ich weiß, das Wort Feind ist etwas hart. Aber wenn es jemanden gibt in deinem Leben, dem du nicht verzeihen kannst, dann ist das eine Art Feind. Von Gott als gerecht angenommen werden bedeutet zu glauben, dass ich ok bin. Dass ich nicht meine Fehler bin. Dass ich mehr bin als meine schlechten Gewohnheiten. Der Heilige Geist, der uns in der Taufe geschenkt wird, bezeugt meinem Gewissen, dass ich kein Schurke bin. Häufig arbeitet er dabei gegen das schlechte Gewissen. Und dann beginnt das Wunder: du fängst an, dich zum Besseren zu verändern. Und du beginnst die Welt um dich herum mit anderen Augen zu sehen. Fängst an, Gutes zu tun in der tiefen Überzeugung: Nobody’s perfect und das muss auch nicht so sein.
Was wäre, wenn Weihnachten 2025 für Dich ein Fest wäre, bei dem du dir bewusst machst, was für ein Geschenk du selbst bist? Was für ein Geschenk dein Leben ist? Dass die Erlösung bereits geschehen ist, du nur noch aufrichtig daran glauben musst und glauben kannst? Dass Gott dich so annimmt wie du bist mit allem, was unperfekt scheint?
Ich finde, das wäre ein besonderes Geschenk. Lass es ein Geschenk an dich selbst sein. Gerade wenn du denkst, du hast schon alles. Spür doch mal in diesen Gedanken hinein und lass ihn sacken. Welche Schätze das Christentum schon hervorgebracht hat. Menschen, die glauben, dass sie wirklich schon alles haben, was sie brauchen, die machen’s plötzlich wie Jesus: sie geben den Menschen um sich herum reichlich. Auch mal so viel, dass es wehtut. Geld, wenn sie Geld haben. Zeit, wenn sie Zeit haben. Und Liebe, wenn du Liebe haben. Das größte Geschenk ist die Liebe.
Gott schenke euch Erlösung aus kleineren und größeren Problemen. Gott schenke euch Liebe ohne Ende. Deshalb: Lobt Gott, ihr Christen, alle gleich.
Amen.
- Einstieg: Titus 3 irritiert – Weihnachten auch?
(Irritation aufmachen)
Frühe Gemeinden: sichtbar, beobachtet, verdächtig
Titus: Aufruf zu gutem Verhalten, Ordnung, Anpassung
Frage an die Gemeinde:
Geht es an Weihnachten um „brav sein“?
Unauffällig, angepasst, moralisch korrekt?
Übergang: Das kann nicht alles sein.
- Weihnachten als Gegenentwurf: Geschenk statt Leistung
(Grundthese)
Weihnachten = Geschenklogik
Die wichtigsten Dinge:
nicht machbar
nicht kaufbar
nicht erzwingbar
Merksatz (frei formulierbar):
Erlösung lässt sich nicht herstellen
- Alltagsbeobachtung: „Ich habe alles“
(Konkretes Beispiel)
Nachbarin im Hausflur
Erwachsene:
scheinbar alles verfügbar
sogar Liebe „kaufbar“ (Illusion)
Kinder:
Wunschzettel
wissen, dass sie brauchen
Kritische Frage:
Wer braucht wirklich nichts?
- Zuspitzung: Was wir alle brauchen
(Existenzielle Ebene)
Aufzählung:
Liebe
Nähe
Frieden
Geborgenheit
Gemeinschaft
All das:
fragil
bedroht
Zusammenfassung:
Ein Wort: Erlösung
- Brücke in die Antike: Menschen damals
(Historische Erdung)
Alltag vor 2000 Jahren:
Ernährung
Krankheit
politische Fremdherrschaft
Grundsehnsucht:
Retter
Heiland
Erwartung:
äußere Lösung
politische Befreiung
- Die Enttäuschung: Jesu Rettung ist anders
(Konfliktpunkt)
Retter kommt – aber anders als gedacht
Keine:
schnelle Lösung
äußere Erlösung
Ironische Entlastung:
nicht Chefin, Schwiegervater, Mallorca
Leitfrage:
Wovon sollen wir eigentlich erlöst werden?
- Kern von Titus 3: Fremdbestimmung
(Zentralthese des Textes)
Titus:
Menschen sind nicht frei
sie werden beherrscht
Beispiele:
Begierden
Neid
Hass
Genuss
Erfahrungsnähe:
Fixierung auf einen Fehler
Vergleich
innerer Tunnelblick
Einsicht:
„Ich komme da allein nicht raus“
- Scheitern am eigenen Anspruch
(Innere Dynamik)
Wunsch:
gutes Leben
Realität:
Rückfall
schlechtes Gewissen
Bild:
Stachel im Fleisch
Mächte:
Geld
Macht
Leichtsinn
Offene Frage:
Kann man sich selbst erlösen?
- Psychologischer Aha-Moment
(Erkenntnis vertiefen)
Phänomen:
Selbstreparatur → Verkrampfung
Mechanismus:
Beobachten
Bewerten
Verurteilen
Folge:
Problem wächst
Macht nimmt zu
Schlüsselwort:
Scham
- Wendepunkt: Entlastung statt Selbstverurteilung
(Evangelium vorbereitet)
Entscheidender Satz:
Problem ≠ Identität
„Das ist da – aber das bin nicht ich“
Wirkung:
Luft zum Atmen
Angst weicht
Freiheit entsteht
Veränderung:
nicht aus Zwang
sondern aus Freiheit
- Rückbindung an Titus 3,4–7
(Evangelium klar benennen)
Keine Rechtfertigung durch Taten
Rettung:
aus Barmherzigkeit
durch Taufe
durch Geist
Gerecht:
zugesprochen
nicht verdient
1:1-Deckung mit Erfahrung
- Christliche Identität: wertvoll vor aller Leistung
(Zentrale Botschaft)
Kinder Gottes:
nicht nach Zeugnis
nicht nach Weste
Taufe:
Identität vor Verhalten
„Ich bin ok“:
nicht perfekt
aber angenommen
Heiliger Geist:
widerspricht dem schlechten Gewissen
Wunder:
Veränderung folgt
Blick auf die Welt wird weiter
- Weihnachtsfrage an die Gemeinde
(Persönliche Einladung)
Was wäre, wenn:
du selbst Geschenk bist?
Erlösung:
geschehen
nicht zu erarbeiten
Einladung:
dem glauben
es sacken lassen
- Konsequenz (ohne Moralkeule)
(Leise Ethik)
Menschen, die sich reich wissen:
können geben
Nicht aus Zwang
Sondern aus Fülle:
Geld
Zeit
Liebe
Größtes Geschenk:
Liebe
- Abschluss
(Segen & Lob)
Wunsch:
Erlösung im Großen und Kleinen
Liebe ohne Ende
Übergang zum Lob:
„Lobt Gott, ihr Christen, alle gleich“
🔑 Ein Merksatz für dich (zum freien Predigen)
Erlösung heißt nicht: Ich werde perfekt.
Erlösung heißt: Ich bin angenommen – und darf mich verändern.
Fragen oder Gedanken dazu? Schreib mir an info@viktor-weber.com.