Altjahresabend Silvester
Altjahresabend Silvester
Lesung des Predigttextes aus dem Neuen Testament aus dem Brief an die Hebräer, Kapitel 13,8-9b
Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit. 9Lasst euch nicht durch mancherlei und fremde Lehren umtreiben, denn es ist ein köstlich Ding, dass das Herz fest werde, welches geschieht durch Gnade.
Predigt
Liebe Gemeinde,
ein festes Herz ist eine gute Sache. Man lebt damit länger. Wie lange jemand aber lebt, das liegt in Gottes Hand. Das Herz mag fest sein wie es will, wenn eine Krankheit oder ein Unfall deinem Leben ein Ende setzt – dann war’s das. Ein Herz mag fest sein, wie es will, es kann schmerzhaft gebrochen werden. Liebe, die nicht erwidert wird. Enttäuschung über Mitmenschen oder gar sich selbst.
„Ein Herz kann man nicht reparieren“ singt Udo Lindenberg in einem Song. „Ist es einmal entzwei, dann ist alles vorbei. Ein Herz kann man nicht reparier′n, niemand weiß wie das geht, es ist meistens zu spät Ein Herz kann man nicht reparier′n, da hilft keine Kur, da rinnen Tränen nur Ein Herz kann man nicht reparier’n, alles bleibt leer und auch der Arzt hilft nicht mehr.“
Besser also, das Herz gar nicht erst kaputtgehen zu lassen.
Für ein festes, kräftiges Herz lässt sich was tun. Joggen. Gesunde Ernährung. Frische Luft. Und gute Gene.
Für ein festes, kräftiges Herz lässt sich was tun. Gute Freunde. Wenig Stress. Gelassenheit. Liebe. Gottvertrauen.
Ich habe gerade einige Dinge aufgezählt, die sich nicht machen lassen. Sie werden uns geschenkt. Gute Gene. Gelassenheit. Gottvertrauen. Deshalb ist die biblische Aussage zu 100% richtig: es ist ein köstlich Ding, dass das Herz fest werde, welches geschieht durch Gnade.
Ich hoffe, dass euer Jahr voller Gnade war. 365 Tage. Wir hatte alle gleich viel Zeit. Gleich viel Zeit, in der Gutes wie Schlechtes passieren konnte und passiert ist. Zeit, in der wir Gutes wie Schlechtes getan haben. Wie auch immer euer Jahr lief: Mein Wunsch an diese Gemeinde ist: lasst euch nicht einreden, dass alles schlecht ist. Lasst euch nicht durch mancherlei und fremde Lehren umtreiben. Bemerkenswert, dass viele bei „fremde Lehren“ an falsche dogmatische Aussagen denken. Dass es bei den Lehren um eine wie auch immer geartete richtige Glaubenslehre handeln soll. Wie merkwürdig, dass selbsternannte Glaubenshüter das Heil der Seele davon abhängig machen wollen, dass die Gläubigen eine bestimmte Liste an sogenannten Glaubenswahrheiten verinnerlichen sollen.
Doch „mancherlei und fremde Lehren“ kann etwas anderes bedeuten. Etwas, das nicht in Jesu Sinn gewesen sein kann. Mein Wunsch an diese Gemeinde ist: lasst euch nicht einreden, dass alles schlecht ist. Glaubt also nicht den Stimmen, die alles zerreden. Den Menschen, die Katastrophen ausmalen, wo keine sind. Den Menschen, die uns weißmachen wollen, wie gut autoritär regierte Staatswesen sind. Den Menschen, die Kriegstreiber hofieren. Den Menschen, die Ausländerhass schüren und so mit bösem Feuer spielen. Wir sind Kinder des Lichts und als solche bringen wir gute Nachrichten in die Welt. Nicht naiv, nicht verlogen, aber kritisch und im Vertrauen darauf, dass Jesus Christus derselbe ist gestern, heute und in Ewigkeit.
Wer ist Jesus Christus?
Die einen sagen, er sei ein charismatischer Wanderprediger gewesen. Die anderen, es sei von Gott gesandt und beauftragt, wie ein Prophet. Dritte wiederum, er sei der menschgewordene Gott. Wir stehen hier vor einem schwerwiegenden Problem: Jesus Christus mag zwar derselbe sein zu allen Zeiten, aber Menschen blicken unterschiedlich auf ihn. Sogar derselbe Mensch blickt im Lauf seines Lebens unterschiedlich auf Jesus. Das wiederum liegt daran, dass wir uns ändern. Wir werden älter. Um Erfahrungen reicher. Mit unseren neuen Erfahrungen deuten wir unsere Wirklichkeit immer wieder neu und anders. Als Kind hast du gar kein Problem damit, dass Gott in einem Stall zur Welt kommt. Als Jugendlicher bist du Feuer und Flamme, die Trinitätslehre gegen Angriffe von Atheisten und Andersgläubigen abzuwehren. Als Erwachsener fragst du dich, wie das denkerisch authentisch vorstellbar sein soll. Im höheren Alter flüchtest du dich vielleicht in einen meditativen Glauben, der dogmatische Fragen mehr oder weniger ausklammert oder gibst dich in solchen Dingen ganz gelassen.
Liebe Gemeinde,
den Zweiflern kommt in ihrer Not niemand geringerer als Philipp Melanchthon zu Hilfe, der vielleicht wichtigste Mitstreiter von Martin Luther. Er schreibt in seiner Dogmatik: „Christus erkennen, heißt seine Wohltaten erkennen – und nicht seine Naturen.“ „Christus erkennen, heißt seine Wohltaten erkennen – und nicht seine Naturen.“ Seine Wohltaten, die sind gewiss: Vergebung, Rechtfertigung, Befreiung des Gewissens, Hoffnung, Versöhnung mit Gott, neues Leben. Geschwister in Christus, das stellt den Glauben vom Kopf auf die Füße. Es ist müßig, darüber zu debattieren, wer Christus an und für sich ist. Es ist viel nützlicher darüber nachzudenken, wer Christus für mich ist. Denn: Jesus Christus ist derselbe gestern, heute und in alle Ewigkeit. Ich aber bin es, der sich verändert. Doch egal, wie sehr ich mich verändere, immer bleibe ich angewiesen auf Vergebung, Rechtfertigung, Befreiung des Gewissens, Hoffnung, Versöhnung mit Gott, neues Leben. Und diese Dinge bleiben uns unabänderlich zugesprochen. Darauf ist Verlass, so sicher wie das Amen in der Kirche.
Immer am Ende eines Jahres werfen die Menschen einen Blick zurück. Lasst uns darauf schauen, wo wir vergeben haben und wo uns vergeben wurde. Wo wir andere anklagten und selbst angeklagt wurden und wo die Anklagen, die Vorwürfe abgewehrt werden konnten. Dort, wo sie berechtigt waren, dürfen wir unsere Fehler eingestehen. Das ist christlich, das ist menschlich. Das nennen wir in der Kirche „Buße tun“. Wo es Buße gibt, da gibt es Vergebung. Das ist ein Geheimnis Jesu Christi. Was sind die Dinge, die dein Gewissen belasten? Bring sie vor Gott. Was ist es, das dir die Hoffnung raubt? Bringe es vor Gott.
„Christus erkennen, heißt seine Wohltaten erkennen – und nicht seine Naturen.“ Manchmal erlebe ich es, dass die Menschen, die sich für besonders gläubig halten, besonders hart zu anderen sind. Sie sprechen ihnen den Glauben ab, weil diese nicht so glauben wie sie selbst es tun. Sie pöbeln herum und machen Werbung für radikale Parteien. Sie verwechseln ihre Vorstellung von Jesus Christus mit Jesus Christus selbst. Dabei ist doch klar, dass unsere Erkenntnis nur Stückwerk ist, wie die Bibel selbst sagt. „An ihren Werken sollt ihr sie erkennen“, sagt Jesus. Wie wäre das, wenn unsere Werke denen von Jesus ähneln? Dass wir einander vergeben, uns aufrichten, uns stützen, ja überhaupt die Gemeinde suchen und die Gemeinschaft, die sie uns gibt?
Udo Lindenberg findet für sein gebrochenes Herz eine Lösung. Am Ende heißt es: „Ein Herz, das kann man repariern. Und gehts mal entzweih, ist es längst nicht vorbei, ein Herz das kann man reparier’n. Ich weiß wie das geht, es ist niemals zu spät. Ein Herz das kann man reparier′n. Ich kenn da’ne Kur, da hilft küssen nur Ein Herz das kann man reparier’n, ist doch gar nicht schwer, und ′n Arzt brauchen wir nicht mehr.“
Nun, Küssen gehört gewiss zu den schönen Dingen im Leben. Auch wenn es Menschen gibt, bei denen Küssen verboten ist, wie die Prinzen behaupten. Aber nicht alle können immer küssen, denn von Max Raabe erfahren wir: Küssen kann man nicht alleine. Und überhaupt, guten Freunden gibt man doch mal ein Küsschen. Oder zwei. Oder drei. Holt euch gerne gleich hier vorne an den Stationen ein Ferrero-Küsschen ab. Übrigens: die Bibel kennt küssen sehr gut. Da verrät Judas Jesus mit einem Kuss. Paulus empfiehlt den Bruderkuss. Und das Hohelied der Liebe besingt den zärtlichen und erotischen Kuss. Ich hoffe, es gab in 2025 und in eurem Leben den ein oder anderen Kuss und wenn nicht: es ist kein Untergang. Denn Liebe umfasst viel mehr, als ein Kuss es ausdrücken kann.
Zum Glück können wir Udo Lindenborg trösten und sagen: Hey Udo, es gibt noch mehr Zaubermedizin als nur das Küssen. Udo, Liebe ist viel weiter gefasst! Liebe bedeutet: Miteinander reden, einander zuhören, füreinander da sein. Die eigenen Bedürfnisse auch mal zurückstellen, ohne sie zu leugnen. Christus ähnlich werden eben. Ja, da können gebrochene Herzen wieder heilen. Und in der Tat: Wahre Liebe zu erleben, das ist Gnade.
Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit. 9Lasst euch nicht durch mancherlei und fremde Lehren umtreiben, denn es ist ein köstlich Ding, dass das Herz fest werde, welches geschieht durch Gnade.
Gebe Gott euch ein festes Herz, die Tiefschläge aus 2025 segensreich zu verarbeiten. Gebe Gott euch ein festes, ein fröhliches Herz. Gebe Gott euch Gnade.
Amen.
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