Viktor Weber Pfarrer in Berlin

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Einführung

Einführung

Dorfkirche Alt-Staaken · 4. Januar 2026 · Pfarrer Viktor Weber

Einführung des neuen GKR

Dorfkirche Alt-Staaken

Jesaja 61 (in Auszügen):

Der Geist Gottes des Herrn ist auf mir, weil der Herr mich gesalbt hat.

Er hat mich gesandt,

den Elenden gute Botschaft (Evangelium) zu bringen,

die zerbrochenen Herzen zu verbinden,

zu verkündigen den Gefangenen die Freiheit,

den Gebundenen, dass sie frei und ledig sein sollen;

zu verkündigen ein gnädiges Jahr des Herrn und einen Tag der Rache unsres Gottes,

zu trösten alle Trauernden,

zu schaffen den Trauernden zu Zion,

dass ihnen Schmuck statt Asche,

Freudenöl statt Trauer,

schöne Kleider statt eines betrübten Geistes gegeben werden,

dass sie genannt werden »Bäume der Gerechtigkeit«, »Pflanzung des Herrn«, ihm zum Preise.

Ich freue mich im Herrn, und meine Seele ist fröhlich in meinem Gott; denn er hat mir die Kleider des Heils angezogen und mich mit dem Mantel der Gerechtigkeit gekleidet, wie einen Bräutigam mit priesterlichem Kopfschmuck geziert und wie eine Braut, die in ihrem Geschmeide prangt.

Denn gleichwie Gewächs aus der Erde wächst und Same im Garten aufgeht, so lässt Gott der Herr Gerechtigkeit aufgehen und Ruhm vor allen Völkern.


Die Gnade Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.

Liebe Gemeinde, liebe ehemalige Gemeindekirchenratsmitglieder, liebe neue GKR-Mitglieder, egal ob ordentlich gewählt oder als sogenannte Ersatz-Älteste in der Verantwortung,

heute ist ein guter Tag, um glücklich zu sein. Glücklich und dankbar. Denn hier sind eine Menge Menschen, die sich engagiert haben und engagieren werden für nichts Geringeres als dafür, das Evangelium in diese Welt hineinzutragen. Es kann keinen Zweifel geben, dass diese Welt das Evangelium, dass diese Welt gute Nachrichten braucht.

Ich freue mich in Gott, und meine Seele ist fröhlich in meinem Gott. Ja, fröhlich soll mein Herze springen. Wir haben hier Schmuck, Freudenöl und schöne Kleider, ihr Bäume der Gerechtigkeit, ihr Pflanzung des Herrn. Nein, das soll keine Beleidigung sein. Es ist ein Kompliment in einer anderen Sprache.

Schmuck, Freudenöl, schöne Kleider. Uns Christinnen und Christen stehen Kleider des Heils gut zu Gesicht. Sie zeugen davon, woher wir kommen und wer und sendet, nämlich kein geringerer als Gott selbst.

In der Lutherübersetzung steht eine Überschrift über dem heutigen Predigttext, die lautet: „Die frohe Botschaft von der kommenden Herrlichkeit“. Frohe Botschaft, das wissen die meisten, bedeutet: Evangelium. Und das im Alten Testament. Natürlich!

Jesaja 61. Heimlich hoffe ich, dass bei dem ein oder der anderen sich innerlich etwas regt bei den gerade gelesenen Worten. Ein Déjà-vu vielleicht. Denn der Text kommt auch im Neuen Testament vor. Vielleicht weiß jemand aus dem alten oder neuen GKR sogar, welche Stelle ich meinen könnte? Richtig, der Evangelist Lukas spricht davon. Er berichtet, wie Jesus eine Synagoge in Nazareth, seiner Vaterstadt besucht, diese Worte wählt und dann zum Erstaunen aller Anwesenden sagt: „Heute ist dieses Wort der Schrift erfüllt vor euren Ohren“ (Lk 4,21). Es ist die sogenannte Antrittspredigt Jesu bei Lukas. Jesus sagt: das, was der Prophet in Kapitel 61 sagt, das beziehe ich auf mich. Ich bin der, der den Geist Gottes hat und einen Auftrag hat. Und was für einen Auftrag! Ein gewaltiges Arbeitspensum liegt vor ihm: Den Elenden, den Armen das Evangelium verkünden, den Gefangenen Freiheit anzusagen und alle Traurigen zu trösten. Nun, man wächst mit seinen Aufgaben, heißt es.

Mag sein, dass ihr jetzt denkt: „Na zum Glück ist klar, wer mit dieser Masse an Aufgaben beauftragt ist, wir sind doch wohl nicht angesprochen.“ Doch so leicht kommen wir aus dieser Situation heute nicht heraus. Jesus hat nicht alles selbst gemacht. Er hat Menschen ermächtigt. Er hat ihnen den Geist Gottes zugesprochen und sie in seinem Namen in die Welt gesandt. Das geschieht nun seit 2.000 Jahren. Das geschieht im Jahr 2025 bei uns in Staaken.

Gibt es hier Arme? Gibt es hier Menschen mit zerbrochenen Herzen? Gibt es hier Trauernde? Was für eine Frage. Wo gibt es sie nicht. Das Ende der Welt, das ist auch hier.

Liebe Gemeinde, heute ist ein guter Tag, um glücklich zu sein. Denn es haben sich mal wieder Freiwillige gemeldet, um mit und für Jesus in die Welt zu gehen, hier in Staaken.

Liebe GKR-Mitglieder,

ihr seid getauft. Ihr habt euren Glauben bekannt. Ihr seid mit dem Geist Gottes erfüllt. Gott erwählt gewöhnliche Menschen und stellt sie in Verantwortung. Freut euch, ihr habt besondere Aufgaben vor euch. Geradezu göttliche Aufgaben. Gott hat euch Kleider des Heils angezogen und euch mit dem Mantel der Gerechtigkeit gekleidet.

So weit so gut, jetzt kommt allerdings etwas Wasser in den Wein. Besser wir legen gleich alle Karten auf den Tisch und ich hoffe, dass ihr bereits vor der Wahl alle im Bilde wart, das sage ich natürlich mit einem gewissen Augenzwinkern.

Der Auftrag ist groß und ehrenvoll. Der Alltag des GKR-Lebens ist hingegen zuweilen klein-teilig, mühsam und weckt nicht ganz so euphorische Gefühle wie hier beschrieben. Sitzungen teils bis in die Nacht hinein. Streit über dieses und jenes. Verwaltung organisieren, Finanzen planen, Kirchenrecht wälzen. So oft sehen wir die Armen gar nicht. So oft gehen wir nicht zu den Gefangenen. So oft trösten wir nicht die Trauernden.

Das stimmt. Der GKR-Alltag ist zuweilen ernüchternd. Aber: am Ende kommt genau das raus, was unser Text will. Genau das, was Jesus für sich beansprucht: Das Reich Gottes breitet sich aus und kommt zu den Menschen. Dazu braucht es kluge Entscheidungen und gewisse Ressourcen. Dazu braucht es konkret Menschen, die sich Gedanken machen darüber, wie eine Gemeinde sich gut aufstellen kann, um Seelsorge, Verkündigung und Diakonie zu ermöglichen. Dass nicht jede all die aufgeführten Aufgaben leisten kann, dass nicht jeder auf der Kanzel stehen kann, ist klar. Aber dass es so etwas wie Seelsorge, Verkündigung und Diakonie überhaupt geben kann, dafür ist der GKR zuständig. Damit werdet ihr konkret zu Arbeitern im Weinberg Gottes. Und noch mehr: ihr werdet zu einem Vorbild für andere. Menschen werden euer Engagement sehen. Sie werden eure Liebe spüren. Sie werden euren Glauben bemerken.

Apropos Glauben. Die aufgezählten Aufgaben klingen merkwürdig areligiös. Alles Gute Ziele, für die man streng genommen keinen Gott braucht. Ab ins Gemeinwesen. Ab zu den Armen. Bildung fördern. Armenfürsorge. Alles ist schön und gut. Das alles bekommen andere aber mindestens genauso gut hin wie wir. Oder auch nicht, ich will das gar nicht beurteilen und schon gar nicht schlecht reden. Ich möchte euch aber an etwas erinnern, euch etwas ins Stammbuch schreiben, das ihr euch stets vor Augen halten mögt: Wir sind Kirche. Ihr seid Kirche. Ihr seid vom Geist Gottes erfüllt und gesandt. Ihr seid im Auftrag Jesu unterwegs. Was ihr also in euerer Rolle als GKR-Mitglieder tut, wird erst dann eine runde Sache, wenn ihr euch eurer Berufung bewusst seid. Jesus hält seine Antrittspredigt in einer Synagoge. Sein ganzes Leben dreht sich um die Tora. Der Geist Gottes ist auf ihm. Das ist seine Quelle. Das ist seine Inspiration. Das ist seine Kraft. Das sei euch ein Beispiel. Das Gute, das wir tun, das tun wir, weil es ein höchstes Gut gibt, nämlich Gott. Weil wir geschmeckt haben, dass es mehr gibt, als wir zählen, messen und wiegen können und dass wir Teil eines Größeren Ganzen sind. Und natürlich: weil wir verinnerlicht haben, dass jeder Menschen einen Wert vor Gott hat, den man nicht verlieren kann. Wir sind Christinen und Christen. Zu unserem Leben gehören eben Handeln und Glauben gleichermaßen.

Liebe Gemeinde, ihr habt bei der Wahl eure Stimmen abgegeben. Nun betet für die Menschen, die die Wahl gewonnen haben. Sie vertreten euch nach bestem Wissen und Gewissen. Und lasst euch von ihnen inspirieren, ebenfalls anzupacken, wo Hilfe gebraucht wird. Lehnt euch nicht zurück und wünscht diesen hier Glück, sondern bleibt aktiv mit euren kritischen und konstruktiven Rückfragen. Unterstützt diese hier nach euren Möglichkeiten. Lasst uns gemeinsam die sein, auf denen der Geist Gottes ruht. Denn zur vollen Wahrheit gehört: der Geist Gottes ruht auf uns allen.

Gebe Gott, dass unsere Gemeinde in den kommenden Jahren eine Oase wird für die Dürstenden. Dass sie voller Trost wird für die Trauernden. Ein Ort voll Freude. Verziert mit Schmuck, Freudenöl und schönen Kleidern, wie eine Hochzeitsgesellschaft. Eine Gemeinschaft fröhlicher, einfacher, erlöster Menschen. Bäume der Gerechtigkeit, Pflanzung Gottes.

Heute ist ein guter Tag, um glücklich zu sein. Und so wünschen wir euch Glück in eurem Dienst. Und natürlich Gottes Segen.

Und wenn es mal drunter und drüber geht, denkt daran: Gott ist stets da. Am Anfang der Zeit, im Dunkel der Nacht, am lichten Tag.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus

Amen.

Es gilt das gesprochene Wort.


Fragen oder Gedanken dazu? Schreib mir an info@viktor-weber.com.