Viktor Weber Pfarrer in Berlin

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Christi Himmelfahrt

Christi Himmelfahrt – Darf man Gott applaudieren?

Waldhaus am Sonnenhügel · 14. Mai 2026 · Pfarrer Viktor Weber

Predigttext · Apostelgeschichte 1,3–11 · Lutherbibel 2017

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Liebe Himmelfahrtsgemeinde, hier auf der Erde.

Wir stehen fest auf der Erde. Dafür sorgt schon allein die Schwerkraft. Wäre ja noch schöner, würden wir nach einem Sprung nicht mehr zurückkehren und davonschweben.

Wir stehen fest auf der Erde. Und wenn wir das aus Gründen nicht tun, haben wir einander, um uns zu stützen. Das ist schön. Setzt aber voraus, dass wir einander kennen und schätzen. Dass wir geradezu befreundet sind. Freundschaften entstehen nur durch Begegnung. Sie entstehen durch gemeinsame Erlebnisse. Gemeindeglieder, die etwa zu Gottesdiensten kommen, haben die Chance, einander zu Freundinnen und Freunden zu werden. Wenn sie sich denn gegenseitig ansprechen, statt nur in ihren eigenen Grüppchen zu bleiben. Deshalb sprecht heute gerne jemanden an, den ihr noch gar nicht oder nicht so gut kennt. Fragt euch zum Beispiel, warum ihr so verrückt seid, bei solchem Wetter zu diesem Gottesdienst zu kommen.

Die Jünger Jesu machen es uns vor: „Sie verbrachten die ganze Zeit im Tempel und lobten Gott.” Denkt an Psalm 23, wo es am Schluss heißt: „Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.”

Wer den Himmel sucht, hat gute Chancen, ihn in der Kirche zu finden. Versteht mich nicht falsch, wenn du nicht zum Himmel kommst, kommt der Himmel zu dir. Gott lässt sich da nichts vormachen. Aber wenn du den Himmel konkret suchst, bist du in der Kirche erst mal gut aufgehoben. Insofern: ihr habt heute alles richtig gemacht. Gott spricht in Jeremia 29,23f.: „Wenn ihr mich sucht, so werdet ihr mich finden. Fragt ihr mit eurem ganzen Herzen nach mir, so werde ich mich von euch finden lassen.”

Der Punkt ist: wir werden Gott nicht im Himmel finden – und sollen ihn dort gar nicht suchen – sondern wir werden ihn auf der Erde finden. Die Jünger stehen mit offenen Mündern da und schauen nach oben. Ein Engel muss kommen und sie auf die Erde zurückholen (Apg 1,11): „Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und seht gen Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenommen wurde, wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen.” Also sinngemäß: steht hier nicht sinnlos rum, geht weiter und macht was Sinnvolles. Macht, wozu Jesus euch angeleitet hat.

Wir finden Gott also auf der Erde. Und wer ihn findet, der ist schon mal wie im 7. Himmel. Die Jünger kehren mit Freude zurück nach Jerusalem. Freude ist die beste Visitenkarte, die ein Christ haben kann. Wer begeistert von seinem Glauben erzählen kann, der wirkt einladend. Da fragen sich andere, ob an diesem Glauben mehr dran sei, als sie selbst annehmen.

Wie können wir uns den Himmel eigentlich vorstellen? Die Konfis haben sich dazu letztens Gedanken gemacht.

Es gibt Situationen in meinem Alltag als Pfarrer, wo ich regelmäßig und notwendig vom Himmel spreche. Welche Situationen könnten das sein? Genau. Bestattungen. Beim Bestattungsgespräch frage ich regelmäßig, wie es um den Glauben der verstorbenen Person stand und ihr Verhältnis zur Kirche. Besonders häufig höre ich dabei den Satz: „Er (oder sie) war jetzt kein richtiger Kirchgänger, aber geglaubt hat er schon.” Das ist zwar einerseits in Ordnung, wir können nicht in die Herzen schauen und etwas über den Glauben sagen. Andererseits macht es mich jedes Mal traurig. Traurig darüber, wie viel Potenzial die Menschen liegen lassen. Der Glaube läuft auf Sparflamme. Viele können nicht weiter ausführen, was es bedeutet, dass der Verstorbene glaubte. Dabei sagt so gut wie jeder, der einen Gottesdienst besucht: Das hat mir gut getan. Das hat mich berührt. Ich habe meiner Seele etwas Gutes getan. Dabei macht so gut wie jeder die Erfahrung: wenn ich regelmäßig in der Bibel lese, macht das etwas mit mir. Wenn ich immer wieder ein Gebet spreche, baut mich das auf. Wenn ich Gott bewusst und stetig für Dinge danke, hebt das meine Zufriedenheit. Ja, das Himmelreich kommt auch von alleine. Wir sollten ihm aber nicht die Tür verschließen. Ach, einen Gottesdienst zu besuchen, das fühlt sich für mich nach „Hakuna Matata” an. Ich sage meiner Seele: „Probier’s mal mit Gemütlichkeit.”

Der Himmel, das Himmelreich kommt von alleine – diesen Gedanken habe ich von Martin Luther. Er erklärt nämlich die Bitte „Dein Reich komme” im kleinen Katechismus so: „Was heißt das? Gottes Reich kommt zwar ohne unser Gebet von sich selbst, aber wir bitten in diesem Gebet, dass es auch zu uns komme. Wie geschieht das? Wenn der himmlische Vater uns seinen Heiligen Geist gibt, dass wir seinem heiligen Wort durch seine Gnade glauben und danach leben hier zeitlich und dort ewiglich.” Die Menschen verpassen etwas, wenn sie ihren Glauben auf Sparflamme halten. Es ist so schön, feste Rituale zu haben sowie Gott und Menschen in den Gottesdiensten zu begegnen.

Wir finden Gott auf der Erde. Der bekannte Tübinger Theologe Gerhard Ebeling sagte ganz treffend: „Nicht wo der Himmel ist, ist Gott. Sondern wo Gott ist, ist der Himmel.”

Unsere Herzen sollen im Himmel sein. Aber unsere Füße fest auf der Erde verankert. Hier beginnt schon das Reich Gottes. Hier arbeiten wir daran, dass das Himmelreich kommt. Apropos Herzen. Im Himmel brauchen sie unsere Herzen nicht. Aber hier auf Erden. Manchmal fragen sich die Gottesdienstbesucher, was sie aus der Predigt mitnehmen. Ich hoffe, dass da schon einiges dabei war. Ich möchte einen Vorschlag machen: Bitte beschäftigt euch mit dem Thema Organspende. Unsere Herzen, unsere Nieren und so weiter werden im Himmel nicht gebraucht. Dort werden wir sein wie die Engel, sagt Jesus in Matthäus 22,30. Aber die hier auf Erden, die brauchen unsere Herzen. Die brauchen unsere Nieren. Und noch vieles mehr. Der Bedarf in Deutschland liegt bei über 8.000 Menschen, während nur knapp über 1.000 Menschen nach ihrem Tod tatsächlich Organe spenden. Ich plädiere hier weder pro noch contra Organspende. Ich plädiere hier dafür, sich damit zu beschäftigen. Es sind nur wenige Mausklicks, die zu einem Organspendeausweis führen. Keine Sorge, der christliche Glaube kennt kein Organspendeverbot. Wenn du stirbst, zerfällst du zu Staub, falls du nicht davor eingeäschert wirst. So gehen alle deine Organe dahin. Gott wird uns aber einen neuen Leib geben, schreibt Paulus in 2. Korinther 5,1. Im Himmel brauchen sie unsere Organe nicht. Bekommt aber ein Mensch eine erfolgreiche Organtransplantation, so erlebt er den Himmel schon hier auf der Erde.

Die Jüngerinnen und Jünger Jesu sollen Zeugen sein allen dessen, was in und um Jerusalem passiert ist. Wir sollen Zeugen sein dessen, was um uns herum passiert. Damit durch unser Zeugnis die Menschen sehen: Hier liegt Segen. Hier reden sie nicht nur, hier handeln sie. Hier sind lauter lebendige Steine, mit denen Gott seine Kirche baut.

Amen.

Es gilt das gesprochene Wort.


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