Pfingstsonntag
Pfingstsonntag – Der Geist wird auf alle ausgegossen
Dann kam der Pfingsttag – bei den Juden Schawuot, das Wochenfest. Alle, die zu Jesus gehörten, waren an einem Ort versammelt. Plötzlich kam vom Himmel her ein Rauschen wie von einem starken Wind. Das Rauschen erfüllte das ganze Haus, in dem sie sich aufhielten.
Dann erschien ihnen etwas wie züngelnde Flammen. Die verteilten sich und ließen sich auf jedem Einzelnen von ihnen nieder. Alle wurden vom Heiligen Geist erfüllt. Sie begannen, in fremden Sprachen zu reden – ganz so, wie der Geist es ihnen eingab.
In Jerusalem lebten auch fromme Juden aus aller Welt, die sich hier niedergelassen hatten. Als das Rauschen einsetzte, strömten sie zusammen. Sie waren verstört, denn jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden. Erstaunt und verwundert sagten sie: „Sind das denn nicht alles Leute aus Galiläa, die hier reden? Wie kommt es, dass jeder von uns sie in seiner Muttersprache reden hört? … Wir alle hören diese Leute in unseren eigenen Sprachen erzählen, was Gott Großes getan hat.” Erstaunt und ratlos sagte einer zum anderen: „Was hat das wohl zu bedeuten?” Wieder andere spotteten: „Die haben zu viel neuen Wein getrunken!”
Da trat Petrus vor die Menge und mit ihm die anderen elf Apostel. Mit lauter Stimme rief er ihnen zu: „Ihr Männer von Judäa! Bewohner von Jerusalem! Lasst euch erklären, was hier vorgeht, und hört mir gut zu! Diese Leute sind nicht betrunken, wie ihr meint. Es ist ja erst die dritte Stunde des Tages. Nein, was hier geschieht, hat der Prophet Joël vorhergesagt: ›Gott spricht: Das wird in den letzten Tagen geschehen: Ich werde meinen Geist über alle Menschen ausgießen. Eure Söhne und eure Töchter werden als Propheten reden. Eure jungen Männer werden Visionen schauen und eure Alten von Gott gesandte Träume träumen. Über alle, die mir dienen, Männer und Frauen, werde ich in diesen Tagen meinen Geist ausgießen. Und sie werden als Propheten reden. Ich werde Wunder tun droben am Himmel. Und ich werde Zeichen erscheinen lassen unten auf der Erde: Blut und Feuer und dichte Rauchwolken. Die Sonne wird sich verfinstern, und der Mond wird sich in Blut verwandeln. Dies alles geschieht, bevor der große und prächtige Tag des Herrn anbricht. Jeder, der dann den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden!‹”
Wieder ein Wunder – nach der Auferstehung, nach der Himmelfahrt jetzt auch das. Lukas selbst war gar nicht dabei; er will mit dieser Geschichte bewusst ein Gegenstück zu Babel entwerfen. Dort verwirrt Gott die Sprachen und zerstreut die Menschen. Hier, an Pfingsten, geschieht das Gegenteil: Alle verstehen sich, trotz aller Verschiedenheit.
Für die Zweifler unter euch: Das ist eine theologische Aussage, kein Tatsachenbericht. Und gerade deshalb können wir etwas damit anfangen.
Ich merke bei mir selbst eine Sehnsucht nach solchen Events. Nach dem einen großen Moment, in dem alles klar wird. Später hat man das dann „Zungenrede” genannt, bis heute in manchen Gemeinden. Aber ich glaube: Statt auf das nächste Event zu warten, ist Gott im Alltag mit uns. Und selbst Petrus, der da so nüchtern predigt, tut das ja in einem Weltbild voller Wunder und voller Endzeiterwartung. Auch das gehört zu Pfingsten dazu.
Was ist eigentlich der Geist? Das Gegenteil von „Fleisch”, von bloßem Körper? Sinn, Gedanke, Zeitgeist – wes Geistes Kind bist du? Einander zu verstehen ist schwer, selbst wenn man dieselbe Sprache spricht. Und Gott zu entdecken ist schwer.
Drei Botschaften nehme ich aus diesem Text mit: Erstens, die Botschaft kommt in alle Welt, und die Menschen verstehen sie. Zweitens, jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird gerettet. Und drittens: Der Geist wird auf alle ausgegossen – auf alle! Das ist Emanzipation, das ist Befreiung, das ist der Geist Gottes.
Sei nicht faul, warte nicht auf Wunder: schaffe sie selbst. Lerne eine Sprache, geh auf die Menschen zu.
Amen.
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